ANNsichtssache

Vorweihnachtlicher Eskapismus und andere Worte

Mein ganz normales vorweihnachtliches Chaos. Es beginnt mit einer wunderschönen Zugfahrt nach Hause, nachdem die Uni für das Jahr 2010 auch schon wieder abgehakt ist. Vollbeladen, sodass ich mich etwas fühle wie ein Grashalm mit einer Horde Maikäfer beladen, schleppe ich mich über den Bahnhof in Leipzig … Verspätung meines Zuges und die Anzeige kapiert das erst nach 20 Minuten und lässt mir bis dahin Zeit, mich mit dem schweren Zeug auf anderen Bahnsteigen umzusehen und mich zu fragen, ob mein Zug denn nun noch kommt oder nicht.
Mit den Sachen, die ich mithabe, kann ich aber quasi auch gleich auf dem Bahnhof campieren. Genug Plätzchen habe ich seit Donnerstag – es wurden 6 statt geplanter 3 Bleche und das trotz unserem fleißigen Teignaschen frei nach der Devise „Leben am Limit“.
Nachdem ich zu Hause angekommen bin und die ersten Tage gut überstanden habe, stellt sich auch schon wieder so was wie Normalität und Gewohnheit ein und ich denke „zu Hause ist es eben doch am Schönsten“, wenn man mal das, das, das und das nicht beachtet. ;)
Naja, ist wirklich ganz schön. Aber nicht immer ganz leicht. Wenn einem ständig so Sachen gesagt werden wie, „du isst wohl gar nichts mehr“, „du hast das Auto ja mal gar nicht enteist“ (nachdem ich eine Viertelstunde draußen rumgekratzt hab) oder „also Anne, die Musik ist wirklich nicht besonders schön zum Entspannen… so laut, das muss doch nicht sein“ (in dem Moment, wo das ruhigste Lied von der CD anfängt zu spielen).
Aber was soll ich sagen, auch meine Familie lässt die freudige Vorweihnachtsstimmung nicht im Stich und da sollte ich den einen oder anderen Stressmoment vermutlich doch besser verzeihen. Besonders vorbildlich in meiner Zeitnutzung war ich bis jetzt auch nicht. Ich stelle mir zwar meinen Wecker extra vor um 11, komme aber trotzdem nicht so richtig zum Lernen. Die Themen sind interessant, aber lang lang ist´s her, als man noch richtig gelernt hat. Abitur- wie habe ich dich nur geschafft? :D Naja. Während ich so vor mich hin und vor meinem Hefter sitze, wird mir aufs Neue etwas bewusst, was sich schon seit Längerem seinen Weg in mein Bewusstsein bahnen will. Das Internet macht süchtig. Und es lenkt enorm ab. Welch Erkenntnis. Und zum Zwecke der Selbstüberführung habe ich mir das Buch „Ohne Netz“ von Alex Bühle gekauft. (ungeachtet der 4 Bücher, die noch halb ungelesen auf mich warten…) Und so wechselt meine Aufmerksamkeit nicht nur zwischen meinem Kommunikationsskript und facebook, sondern schwenkt auch von Zeit zu Zeit zu dem besagten Buch und bestätigt mir mit tiefen Seufzern die Wahrheit der geschriebenen Worte. Ohja. Und wie in Nostalgie werde ich in Gedanken entführt in eine Zeit vor dieser … die ersten 4 Tage in Chemnitz ohne Internet, in denen ich die analoge Welt kennen- und lieben lernen musste und vor Langeweile und Einsamkeit eigentlich einfach nur nach Hause wollte. Oder so ähnlich. :D
Wie jedes Jahr wird auch dieses Jahr wieder mit Freunden gewichtelt. „Programmpunktwichteln“ nennen wir es und ich kann mir darunter nicht sehr viel vorstellen. Habe meinen Bruder gezogen und bis eine Stunde vor Beginn der Weihnachtsfeier keinen Plan. Entscheide mich für Dinge-erfühlen-und-wer-am-schnellsten-ist-hat-gewonnen und Ich-schreibe-meinen-Wunschzettel-und-schreibe-drauf und treffe damit genau ins Schwarze. Manchmal denke ich, in manchen von uns steckt mehr Kind, als mir lieb ist. Aber gut. :P

Wie wir sind, haben wir trotz Programmpunktwichteln auch jedem so was geschenkt und ich habe endlich eine tolle Nudelabtropfschüssel – da ich ja sowieso fast jeden Tag Nudeln koche, wenn ich koche :D, (ja, Nudeln KOCHE!) – sodass nicht mehr die Gefahr besteht, dass ich sie erneut samt Topdeckel in das Waschbecken kippe, weil es plötzlich ein bisschen heiß wird. *gg
Die Feier nimmt so ihren Lauf und irgendwann, ich zitiere meinen Bruder, „haben die sich einfach meine E-Gitarre geschnappt und sie für 1,5 Stunden in Beschlag genommen“. Ja, hat Spaß gemacht.
Genug der Musik, brechen wir auf. Ich darf das Geschenk von meinem Bruder nach Hause tragen, eine kleine Bärenkatze aus Tonmasse mit Wackelaugen und einer roten Schleife. Und mit Nagellack angeklebten Barthaaren. Süß. Etwas verrückt, aber süß.

Bald ist wirklich Weihnachten. Im Kalender. Ich denke mal wieder dran, dass ja eigentlich jeden Tag sinngemäß Weihnachten ist und sein kann, aber der Mensch liebt den –Achtung, neues Medienwort- Eskapismus einer abgeschiedenen traumschönen Welt, die aber wiederum nichts mit ihm persönlich und seinem Alltag zu tun hat. Meiner Meinung nach liegt gerade da, besonders in Bezug auf Weihnachten, der Haken. Kann man mal drüber nachdenken.

Schöne stressfreie Weihnachten euch ;).
La piccola fiore

4 Comments

  1. Die Bahn hat es schon nicht leicht! Immer dieses Rumgemoser. *grins*

    War bei der Weihnachtsfeier etwa auch ein Alex da, dem man um 2 nachts die Gitarre aus der Hand reissen muss?

    1. hehe… nee, wir hatten ausnahmsweise auch mal so nen Rappel^^. Sie verdient doch meine Aufmerksamkeit, die Bahn ;). Und noch hat sie mich ja schon immer gut, wenn auch zeitlich versetzt, da hingebracht, wo ich hinwollte… muss ich zugeben *gg.
      @ Anne: ich hab noch n paar!^^ Sie werden gegessen, aber so nach und nach halt… hab hier glaub ich nich so die Keksmonster :P.

  2. achja…das mit dem Aufstehen kenne ich irgendwo her XD
    wie stehts eigentlich jetzt um deine Plätzchen? Bis auf einen kläglichen Rest habe ich alle los bekommen :D

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *