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ANNsichtssache

Ein Meer von Möglichkeiten und Erfahrungen.

Ich habe in dieser Woche Fragen eines Persönlichkeitstests beantwortet. Eine Frage war, ob ich mein Leben, wenn ich könnte, anders planen würde oder irgendetwas weglassen würde. Ich habe nein angekreuzt. Und mich dabei selbst über mich gewundert. Aber es ist wirklich so und das ist für mich teilweise so nicht ganz nachvollziehbar, aber beim genaueren Nachdenken irgendwie schon. Ich erinnere mich an so viele Situationen, in denen ich völlig fertig oder einfach nur etwas deprimiert war, weil etwas schief gegangen war oder weil ich jemanden enttäuscht oder jemand mich enttäuscht hat. Weil ich unzufrieden war mit mir und meiner Welt. Und ich sehe so viele Situationen, in denen ich glücklich war und in denen ich wie eine rote Schnur, wie ein Strickmuster sehe, wie die kleinen und großen Tragödien sich von Asche zu gewisser Schönheit entwickelt haben (Anspieltipp: superchick – Beauty from Pain). Wie ich im Nachhinein sehe, dass es sich gelohnt hat, durchzuhalten und dass es sich lohnt, aufzustehen und zu fallen und wieder aufzustehen. Dass mich das Fallen stärker gemacht hat und dass ich Dinge lernen konnte.
Ich habe mir mal die Frage gestellt, ob es sinnvoll wäre, wenn ein Mensch seine ganzen Erkenntnisse zusammengefasst aufschreibt und an seine Kinder und alle kommenden Generationen weitergibt. Sozusagen als das ultimative Life-Package. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass das totaler Unsinn wäre. Ich selber habe schon viele Bücher gelesen und Meinungen gehört und aus den meisten konnte ich zumindest ein Körnchen Wahrheit für mich mitnehmen und meine Sicht und Perspektive auf die Dinge ändern. Aber diese „Weisheiten“, wie ich sie mal nennen will, verändern mich nicht in meiner Persönlichkeit, sind nicht so tiefgreifend und prägend und sie sind nie von der Intensität, die eine selbstgemachte Erfahrung in sich trägt. Das Fallen und Aufstehen. Das Fallenlassen und Getragenwerden. Das alles muss jeder selbst erfahren und kann anderen nur Mut machen, selbst Erfahrungen zu machen und Entscheidungen zu treffen. Zu leben.
Ich habe heute einen echt guten Spruch gelesen. „Jede Entscheidung ist ein Massenmord an Möglichkeiten“. Wie wahr. Oft geht es einem so, dass man in unserer Welt und Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten nach Grenzen sucht, die einem Sicherheit und Geborgenheit geben. Die einem einen Weg vorgeben, in der grenzenlosen Weite, Perspektive und Halt. Zum Anderen fühlt man sich wie das Kind, das von seinen Eltern mit unendlich vielen Geschenken überhäuft wird und nicht weiß, welches es zuerst öffnen soll. Und vielleicht sind wir auch der kritische Herrscher, dem auf dem Silbertablett die einzelnen Möglichkeiten vorserviert werden sollen, und dem nichts gut genug ist und der seine Entscheidungen nur mit Blick auf Andere trifft. Oder aber wir entscheiden uns, der durchschnittliche Mensch zu sein, dem die weite Welt zu Füßen liegt, der sich aber ein Stück für sich herausnimmt, es bestaunt und sich an seinen Ecken und Kanten freut und daran, sie zu bearbeiten. Solch ein Mensch, der die vielen Möglichkeiten im Moment seiner Entscheidung zu Tode niederschlägt und sich voll und ganz der einen Sache verschreibt. Ein Mensch, der durch diese Begrenzung Mauern niederreißt und sich selbst zur Freiheit verhilft, indem er aus der Vielfalt der Möglichkeiten genau die eine für ihn relevante und lebendige Möglichkeit wählt und sie am Leben erhält. Jeden Tag. Er entscheidet sich jeden Tag aufs Neue für seine Entscheidung.
Sicher gilt das nicht für jede Entscheidung. Es gibt im Leben Entscheidungen, die muss man revidieren, die waren die Mühe nicht wert und machen einen kaputt. Aber es gibt Dinge, von denen man weiß, dass sie richtig sind und immer sein werden. Diese sind es wert, lebendig gehalten zu werden und eigenständig ohne Alternative in unserem Herzen zu stehen.
Wir Menschen sind keine willenlosen Maschinen, die sich immer herausreden können, die Umstände hätten sie in die Bredouille gebracht, eine ehemals gute Entscheidung zu revidieren. Uns allen wurde ein Kopf zum Denken, Augen zum Sehen und ein Herz gegeben, das meist besser wahrnimmt und sich meist länger merkt, was wir vergessen haben.
In diesem Sinne möchte ich das Jahr 2011 in meinem Blog einleiten ;). Keep it alive! Es lohnt sich. Und wenn man es erst im Nachhinein sieht.
La piccola fiore <3

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