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ANNsichtssache

Da, wo der Bär steppt.

Es ist Festival-Zeit. Wie im letzten Eintrag schon angeklungen ist, ist auch im Osten unseres Landes der Sommer angekommen und mit ihm stürzt sich ein Großteil der jungen deutschen Bevölkerung auch in die Freuden einiger Festivalerlebnisse. Denn – warum auch nicht- nur im Sommer kann man die Fahrten in überfüllten Zügen (und ich meine wahrhaft überfüllt!) so richtig genießen, die Sonne, die einem beim OpenAir-Konzert einen wunderschönen Sonnenbrand ins Gesicht malt und die versammelte Gemeinschaft der Bierliebhaber, die von der Sonne und ihrem Lieblingsgebräu schonmal einen Zacken abbekommen.
Ich durfte erleben, noch bevor ich wusste, woher der Wind wehte, was es bedeutet, von dem Fieber, diesem hitzigen Eifer der Festivalgänger angesteckt zu werden. Überraschenderweise fand ich heraus, dass das splash!-Festival ja seinen Anfang in der Nähe von Chemnitz nahm! Doch 2009 wechselte dieses Hiphop- und Reggae-Spektakel nun in das wunderschöne Sachsen-Anhalt, welchem ja an sich schon viel zu wenig Bedeutung zugeschrieben wird (warum auch immer, man schaue sich mal den heute-Show-Beitrag dazu BIS ZUM SCHLUSS an ;) ). Ferropolis, die Stadt aus Eisen, sollte nun der Schauort werden, mit seinen megatighten Baggern und dem voll chilligen Tagebau-See – um dem Klientel mal sprachlich näher zu kommen. Schön und gut. So sieht die Welt auch mal WIRKLICH schöne Landschaften und hinterbliebene Impressionen aus einer Welt vor der meinigen, auch genannt DDR.
Dass also die Züge SO überfüllt waren, dass ich nicht mal mehr reinpasste (was ich auch persönlich nehmen könnte, schließlich habe ich mich durch die letzten Semesterferien mit einer Fast-Diät gequält *gg), war für mich aus reiner Logik nur auf ein solches Ereignis zurückzuführen. Aber das nehme ich natürlich gerne in Kauf, allein schon wegen der lieblichen Beschallung, die mich aus angenehmer Ferne erfreut. Oder sagen wir, liebliche Beats, aber mehr hat die Musik vielleicht teilweise auch nicht aus der Nähe zu bieten ;). [Am Rande- ich hab nichts gegen das Festival oder die Musiker, die dort auftreten. Manche gefallen mir echt, aber etwas Wahrheit steckt wohl drin ;).]
However- ich sitze nun also hier und erwarte, dass ich eben die erwarteten Klänge jenseits der Bagger vernehme. Aber NEIN. Alles, was ankommt ist „Das ist Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hööölle…“. Ehm, neeeein, das ist nicht das splash! Es ist das konkurrierende und überaus sparsam ausgestattete Dorffest, das sich hier Gehör verschaffen möchte. Sparsam ausgestattet nicht mit den dazugehörigen Lichtern und dem Getränkeausschank, sondern sparsam bezüglich sowohl der (jungen) Gäste, als auch geschmackvoller guter Musik. Denn ehrlich- wenn meine Liebe zum Electro, Hiphop und Reggae schon nicht bis zum Himmel reicht, dann doch wenigstens bis nach Ferropolis und so würde ich deren Beats sehr viel lieber hören.
Doch nichts ist zu machen. Man lässt dem Volk seine Stammesfeste ;). Alljährlich das Gleiche, doch man ist zufrieden und das ist ja die Hauptsache. Auch Tanzeinlagen dürfen nicht fehlen und so gibt die Jugend des Dorfes im Alter von 3 bis 5 ihre Moves zum Besten und die ältere Generation, wenn ich das so sagen darf, präsentiert auf der Tanzfläche ihre Version von „Barbie Girl“ (Aqua) als verkappte Blondies im Cindy-aus-Marzahn-Outfit. Da der DJ die Zuschauer mit einem „Na, mal ein richtjer Beifall hier, klingt ja sonst wie Mitleid!!“ aufheizt, dürfen die Frauen ihr Können erneut unter Beweis stellen und besagter Jockey bekundet erneut seinen Satz. Mitleid? Was will er uns denn bitte implizieren? Mitleid habe ich wohl eher mit meinen Ohren, die danach wieder mit der gewohnten Musik verwöhnt werden. Sofort geht es weiter mit „Wo sind die Prinzen???“ und ich denke mir „Kauf dir ne Prinzenrolle, da haste gleich nen ganzen Packen.“.
Nun kühlt ein leichter Regen die Atmosphäre etwas ab, aber the Party goes on! Ich wünsche allen Gästen, dass sie noch so bei Sinnen bleiben, dass sie nicht geradewegs in den Teich laufen, auf den sich, seit ich ihn nicht mehr gesehen habe, eine anständige, leuchtend grüne Matte aus Algen und sonstigen Ablagerungen gebettet hat. Kaum von dem umliegenden Gras zu unterscheiden.
Ein Fall für den Umweltschutz. Oder geht hier der Lärmschutz erstmal vor? Ja, ich bin dafür. Kostenlose Ohrenstöpsel für alle, wir wollen doch unser Gehör bewahren.
Ich verabschiede mich – komm, wir fahren nach Amsterdam, äh, nee, ick mach mir ma schlafen.

La piccola fiore

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