ANNsichtssache

Das dritte Auge

Wir haben wieder den Absprung zum November und somit in die kälteren Gefilde des Jahres geschafft!! Da schreit der Blog geradezu mal wieder nach etwas Nahrung nach so langer Abstinenz, also will ich mal versuchen, was Verwertbares zu schreibseln.

Ich lebe mit nur zwei Augen. Klar? Nicht so klar! Bis vor einigen Monaten war ich um ein scharfes Auge stärker, sehender, aufmerksamer…!?
Mit ihm konnte ich die Momente, die mir wichtig waren, festhalten, gewöhnliche Dinge ungewöhnlich erscheinen lassen, Licht einfangen, Situationen inszenieren, entstellen oder einfach in den schillerndsten oder gewöhnlichsten Farben sehen.
Dann war sie hin, meine Kamera. Irgendwas im Inneren war (koooomischerweise ;) ) nach dem stürmischen Zusammenprall mit dem Steinboden kaputt gegangen, sodass sie nur noch in der Lage war, bei schwarzem Display verschwommene Aufnahmen, mangels Blitz, zu machen.
Richtig oldschool … wie bei den analogen Kameras, wo man erst nach dem Entwickeln des Films sieht, was man für Schätze aufgefangen hat. Oder eben auch nicht.
Es hat was von Spannung, wenn man nicht weiß, was einen erwartet. Früher hab ich öfter über einen Monat hinweg einen Film verknipst und während der Zeit wieder vergessen gehabt, was mir vor die Linse gesprungen war.
Gut, das sind nur Fotos. Nur eine Kamera. Nur Papier mit kleinen Farbpigmenten drauf, Printprodukt oder Bildschirmausgabe, wie ich im Studium lerne ;).
ABER: es ist mehr! Es ist das Leben, es sind die Momente, die wir 1:1 erleben und mit Kamera oder Handy festhalten, die wir später anschauen, bewerten, wegschmeißen, gut sprechen oder darüber lachen oder weinen. In einem Foto kann so viel stecken – essentielle Erinnerungen an Menschen, die man mal gekannt hat und deren Spuren sich in seinem Leben dann verlaufen haben oder auch Erinnerungen an angeblich bessere Zeiten. Ganz nostalgisch schaut man sich Kinderfotos an und meist kommt ein Satz wie „Achja, damals, als man noch so süß und klein war und die Welt sich noch richtig rum gedreht hat.“
Ich finde es faszinierend, was man im Gedächtnis behalten kann und wie man ein Erlebnis in einem bestimmten Licht färben kann, wenn man nur noch Erinnerungen aus der Kameralinse zur Verfügung hat.
Aber ich glaube, und das merke ich besonders momentan, wo ich ohne mein „drittes Auge“ leben muss, dass es unsere Verantwortung ist, uns nicht nur an Erinnerungen und vagen Bildern festzuhalten. Wir haben dieses eine Leben, das viel zu schnell an uns vorbeizieht und jeder Augenblick ist mehr wert als das Klicken des Auslösers. Er ist den Moment, das reine ungefilterte Jetzt wert.
Auf dass wir manchmal etwas mehr im Jetzt leben. Der Vergangenheit nachtrauern ist die eine Sache. Schau ich mir Fotos an von Zeiten, in denen etwas Essentielles in meinem Leben da war, das mir jetzt fehlt, braucht das kein Anlass für idealisierte Verschleierung sein, sondern kann vielmehr als Erinnerung und Anreiz dienen, das Fehlende zurück zu holen. Dann werden die Fotos von heute vielleicht irgendwann mal – vielleicht nicht nur uns- ermutigen, dass es immer noch Chancen für positive Veränderungen gibt, die total realistisch und echt sind und nicht im Nachhinein gephotoshopt werden müssen!

Zum Abschluss ein weiterer Musencartoon, endlich mal wieder ;). (Thematisch nicht passend!! Bitte sucht nicht den tieferen Sinn darin x) )

La piccola fiore

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