ANNsichtssache

„Tomb Raiders of Passion“ oder „Die Leidenschaft schläft nur“

Ich schwimme mit Delphinen durch das azurblaue, strahlende Meer. Kühles Wasser umspült meinen sonnenhungrigen Körper und diese tut das ihre. Auf dem Rücken der Meerestiere streife ich durch das unendlich erscheinende Nass. Ferienstimmung, Frische, weite Perspektive, Leichtigkeit.

So würde ich das Debutalbum „Water Colours“ der Newcomerband Swimming With Dolphins beschreiben. Locker-leicht und spritzig, wie man sich wirklich so einen Ausflug vorstellen könnte. Luftiger Elektro-Pop, der sehr optimistisch nach vorne treibt.
Hier geht’s zum Album auf www.simfy.de.

Ein Songtext hat mich dabei außerdem zum Nachdenken gebracht. In Track Nr. 4 geht es um den Ausstieg aus der symmetrischen Alltagswelt, die einen manchmal mit so vielen Auf- und Vorgaben überhäuft, dass man zusehen muss, wie einem die Leidenschaft zwischen den Fingern zerrinnt. Swimming With Dolphins beschreiben zum Ende des Songs hin, dass man die unliebsamen Verantwortungen oder Lasten, die einen von einem passionierten und aktiven Lebensstil abhalten, einfach ins oben genannte Meer schmeißen kann. Um frei zu werden.

Bist du schnell unter Alltagsroutinen begraben?

„I’m trying to find the means to living more passionately
Cause I’m not who I wanna be
Buried in routines, I don’t care what happens to me
I just gotta get free.”

Ich nehme mal an, dass es jeden irgendwann trifft. Es muss nicht gleich im Burnout gipfeln. Aber die Vielzahl an Tagen, dummerweise oft als Alltag betitelt, bietet oft einen ganz guten Boden für das Grab, das man seiner Leidenschaft schaufelt. Oder für den Berg an Routine-Terminen, -Handlungen,…, den man auf sich türmen lässt.
Langsam, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr bildet sich eine ganze Menge Zeug auf diesem Hügel. Und man selbst macht es sich dabei recht bequem, bis man eines Tages doch mal aufmerkt, weil einem eine Sache vielleicht doch irgendwo zu schwer auf dem Magen liegt, im Bild gesprochen, oder da und dort etwas zwackt und man nicht mehr so viel Luft bekommt. Dann ist es Zeit fürs Ausrümpeln. Staub wischen auf dem Leben.

Welche Prioritäten habe ich mir mal gesetzt? Will ich die heute noch behalten oder hat sich was geändert?

Lebe ich noch- in allem, was ich tue? Arbeite und lerne ich, weil ich darin mehr Sinn sehe, als Geldverdienen und Karrierechancen?

Versuche ich jeden Tag in den kleinen Dingen Schätze zu entdecken, habe ich den nötigen Humor, um über meine und Schwächen Anderer hinweg zu sehen?

Gebe ich den Menschen, die mir etwas bedeuten, die Liebe, die auch ich mir wünsche? Und das nicht, weil sie etwas für mich tun, sondern auch ohne Gegenleistung?

Leidenschaft ist ein Wort, das man zu oft mit Liebe in Verbindung bringt. Es bedeutet aber in diversen Lebensbereichen „Begeisterung“ zu haben, von der man kaum loskommt. Sie ist stürmisch, sie brennt.

Was bewegt dich, was brennt in dir?

Ich hoffe, dass ich mit dem, was ich schreibe, nicht nur einen Beitrag zur Fast-Food-Kultur gebe. Ich wünsche mir echt, dass ich irgendwie Anreiz geben kann, dass man das eine oder andere überdenkt. Geschrieben hat man schnell mal was, genauso aber auch vergessen. Willst du etwas aus dem Beitrag mitnehmen, dann stell dir wirklich die Fragen siehe oben.

Nochmal zur Leidenschaft zurück:

Die große Frage ist wahrscheinlich- Wie soll ich Leidenschaft für etwas entwickeln, das für mich eigentlich viel mehr Routine bedeutet?
Die perfekte Antwort darauf habe ich natürlich nicht. Aber so viel: es ist ein Lernprozess. Und der beginnt bei einem Perspektivwechsel, zum Einen, indem man sich selbst genauer beobachtet und indem man die Situationen, in denen man ist, mit anderen Augen wahrnimmt. Es müssen keine großartigen Umbrüche sein, die einen ausbrechen lassen. Meist muss man sich nur auf die richtige Basis stellen, die einen nicht so leicht wackeln lässt.

Zum Abschluss ein Zitat aus den Psalmen der Bibel, in denen auch oft die Herausforderung besungen wird, dass man zwischen Trott und Leidenschaft, besonders gottwärts, gefangen zu sein scheint:
„Diesen Tag hat der HERR zum Festtag gemacht. Heute wollen wir uns freuen und jubeln!“

So übersetzt die Basisbibel Psalm 118, 24. Und gemeint ist da kein besonderer Feiertag, sondern jeder Tag, den wir erleben dürfen. Jeder Tag hat den Stempel „Made by God“ und ist somit abgesegnet, im wahrsten Sinne des Wortes, als Baumaterial, mit dem wir arbeiten dürfen und können.

Grüße,
La piccola fiore

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