ANNsichtssache

„I might as well take a gun and put it to his head“

Ashton Kutcher hat Demi Moore betrogen? Okay.
Rihanna singt über Untreue („Unfaithful„). Und?
Schlagzeilen wie diese bringen uns heute nicht mehr aus der Fassung. Unserer Gesellschaft ist unterschwellig doch ein gewisses Unvermögen bewusst, was das Thema Treue betrifft. Oder nicht?

Jede Woche könnten wir die Wer-hintergeht-wen-Geschichten in der Klatschpresse verfolgen und würden uns selbst dabei vielleicht total unbetroffen fühlen. Aber beeinflusst der kommunizierte lockere Umgang mit Treue auch uns? Die No-Names des 21. Jahrhunderts, dich und mich?
Haben wir womöglich verlernt oder nie gelernt, Treue zu LERNEN?

Treue hat viele Aspekte. Zu leicht könnte man sie als altmodisch und idealisiert oder in gut dosierten Mengen als selbstverständlich ansehen, aber hinter wirklicher Treue steht ein Geheimnis und ein Bedürfnis, das so ziemlich jeden Menschen auch der heutigen Zeit betrifft.

Treue hat verschiedene Gesichter und unterschiedliche Kontexte.

Treue bezieht sich nach meinem Verständnis auf viel mehr Lebensbereiche, als nur auf Liebe und Beziehungen. Sie beginnt an der Substanz eines Jeden. Wenn ich die Konsequenzen meiner Entscheidung tragen muss, wenn ich Freunden zuhöre, die mir immer die selben Leiden klagen, wenn ich mich regelmäßig bei meiner Familie melde, auch wenn ich eigentlich Anderes zu tun hätte, wenn ich allgemein an Idealen, Träumen und Überzeugungen festhalte – über unabsehbare Zeit.

Treue beginnt bei mir selbst.

Ein essentieller Punkt der Treue ist, dass sie nicht wartet, bis das Gegenüber aktiv wird. Treue ist insofern nicht einfach ein treudoofes Ertragen, sondern vielmehr als Vordenken und Vorwärtsgehen zu verstehen. Sie beschäftigt sich nicht ewig mit den Fehlern des Anderen und scharrt somit in der Vergangenheit, sondern blickt nach vorn.
Womit ich bei einer weiteren Eigenschaft wäre:

Treue hofft und blickt optimistisch auf Schwächen.

Treue lässt sich nicht unterkriegen und von Umständen und unerwiderter Treue umhauen. Sie hält fest an ihrer Überzeugung, ohne dabei verklärt zu sein. Sie nimmt wohl wahr, was die Realität momentan ausmacht. Und sie vergleicht sie nicht mit einem Idealbild, sondern beginnt ihre Arbeit an der Wurzel, an dem, was da ist. Aber Treue gibt der Realität eine Chance auf eine veränderte Zukunft. Sie resigniert nicht einmal, wenn die Zukunft nicht besser aussieht. Sie steht zu ihrer Entscheidung und sät Tag für Tag, investiert sich immer wieder neu.
Treue – engl. faithfulness: beinhaltet eigentlich schon die Aussage, dass Treue voller Glauben in Zukunft und Gegenwart ist.

Treue ist eine Entscheidung.

Sie wird nicht aus einer Laune heraus geboren und macht sich selbst nicht zum freischwebenden Luftballon in einer stürmischen Gefühlswelt.

Treue kann sich nicht aus sich selbst heraus erhalten.

So erstrebenswert die Treue sein mag, die ich eben beschrieben habe, ist sie doch aus dem guten Willen heraus nur mit größter Disziplin und verbunden mit vielen Enttäuschungen zu erreichen.
Doch die fehlerlose Umsetzung ist auch gar nicht das Ziel, vielmehr ist der Weg des Lernens der Treue eine wichtige Erfahrung, die gesunde Beziehungen und vieles mehr hervorbringen kann.

In der Bibel gibt es eine Art Hymne auf die Liebe, welche eng verzahnt ist mit Treue. In beiden Bereichen besitzen wir bis jetzt nur „Stückwerk“ (nach Korinther 13,9-10). Doch es ist Teil des gesamten Einblicks, der im gleichen Kapitel versprochen wird.

Unsere Treue ist ein Analogiebild zu unserer Beziehung zu Gott.

Ich weiß, dass das nicht jeder so wahrnimmt, aber ich sehe in vielem, was es auf der Welt, in und um uns Menschen gibt, Analogien zu Gottes Logik und, ich nenne es mal „höherer Architektur“. Es gibt viele Naturmetaphern, aber auch der Umgang untereinander als Menschen kann Vergleiche zeigen.
Es gibt eine wunderschöne Aussage von Paulus in seinem 2.Brief an seinen Kollegen Timotheus: „Wenn wir untreu sind, bleibt er treu, denn er kann sich nicht selbst verleugnen.“

Das impliziert,
dass Gottes Wesen Treue beinhaltet, ja geradezu atmet, untrennbar mit ihr verwoben ist.
Mal davon ausgehend, dass wohl kein Mensch das erwidern kann und schon gar nicht auf dem Niveau von Gott, finde ich sein Treueversprechen ziemlich krass und ziemlich unverdient.

Möge es für den Einen oder Anderen ein Motor sein für die eigenen Treueverhältnisse, jetzt und in Zukunft. :)

La piccola fiore

2 Comments

  1. Essentieller Blogeintrag! Habe für mich auch gelernt das Treue heißt nicht über andere schlecht zu reden und gerade in der Gemeinde treu und loyal Leitung und Mitchristen zu dienen. Daran zeigt sich der Welt, dass wir anders sind. So ein Umfeld, in dem ich keine Angst mehr haben muss das über mich hergezogen wird, ist ansteckend- und nur in christlicher Gemeinschaft durch Jesu Leben und vergeben überhaupt möglich. Liebe Grüße aus Südbaden ;)
    Ben
    P.S: Bist du diejenige die meine Blogeinträge „nachdenklich“ stimmt, oder hab ich tatsächlich einen Leser ausser mir gewonnen? :D

    1. Danke, ja… Treue ist was total wertvolles für die, die sie erfahren und die, die sie lernen!
      Ja, das bin ich ;D. Mich stimmen sie nachdenklich ;).

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