ANNsichtssache

Wie man Pechsträhnen färbt.

Es waren einige dieser Tage, an denen nichts so richtig lief, oder besser: die entscheidenden 10 %, die ich sonst für selbstverständlich nehme, wollten nicht so richtig.
Für selbstverständlich hatte ich es gehalten, nach Hause zu kommen und meine Tür öffnen zu können. Und auch, dass ich gesund bin und meine Klamotten nicht von jetzt auf eben Kratzer abkriegen. Oder dass meine technischen Geräte nicht einfach versagen.

Ausgesperrt

Zu früh gedacht oder gar nicht gedacht. Denn nachdem der Montag gut begonnen hatte und meine allgemeine Laune sowieso schon viel besser war, als am Tag zuvor, wollte ich endlich den Waschmaschinenmarathon in meinem Wohnheim gewinnen. Immer war die Maschine noch voll in Betrieb, eine neue Ladung Wäsche stand schon daneben oder die fertige Maschine stand schon länger auf 0 Minuten und wurde nicht abgeholt. Zwischen den Vorlesungen, hatte ich mir vorgenommen, würde ich noch mal schauen, ob das vielfräßige Ding denn nun mal frei wäre. Also hab ich mir alles, samt Schlüssel, für den Waschgang hingelegt, damit ich es noch bis zur nächsten Vorlesung schaffen würde. Dem war dann aber nicht so und so bin ich später einfach in die Uni gegangen. Und wieder gekommen … mit der wundervollen Einsicht: „Anne, dir ist schon wieder so was passiert, wie vor 1,5 Jahren … dein Schlüssel ist nicht bei dir!!“
Nachdem diese Einsicht gesackt war, konnte ich Gott sei Dank eine Übernachtung außerhalb organisieren, da der Hausmeister schon Feierabend hatte und mir der Schlüsseldienst mit sage und schreibe 60 Euro!!! wesentlich zu teuer war.

Kein Angry Birds, nur Angry …

Das Geld, das ich damit gespart habe, kann ich nämlich super gebrauchen für die Reparatur meines iPads. Falls es reparaturbedürftig ist. Bis jetzt weiß ich nur, dass es sich mit keinem Mucks meldet, wenn ich versuche, es anzuschalten. Vielleicht sollte man sich fragen, wieso ich überhaupt ein iPad brauche – das frage ich mich manchmal auch. Aber letztendlich ist es wirklich sehr praktisch, ob für Angry Birds-Sessions oder die Uniskripte.
Wie dem auch sei – als ich merkte, dass sich diese Reihe von wundervollen Dingen verlängern wollte, war ich kurz echt den Tränen nah. Genau genommen in dem Moment, als ich mich nach einem gefühlten 5-Sekunden-Sturzflug auf dem Schotter auf dem Weg zum Bus wiederfand. Mit aufgeschabten, brennenden Händen. Davon kann jedes Kind ein Lied singen, aber mir war in dem Moment gar nicht nach Singen zumute. Wenigstens hatten meine Klamotten nur minimale Kratzerchen abbekommen, was schon ein Wunder war.

Umsonst

Wieder in meiner Wohnung – glücklich – lasse ich das Ganze noch mal Revue passieren. Mir ist schon vor einiger Zeit aufgefallen, dass es in dem Lied „Blessed be“ diese spezielle Passage gibt.
„You give and take away, you give and take away. My heart will choose to say: Lord, blessed be your name.“
Wenn man mal in der Situation ist, in der man wirklich erlebt, dass Gott nicht nur gibt, sondern auch nimmt, dann kommen diese Worte bestimmt nicht mehr so leicht über die Lippen. Aber ich glaube, dass wenn man sie durch solche Situationen erst mal richtig verstanden hat, man sie auch viel ehrlicher nachempfinden kann. Wenn das iPad wirklich irreparabel kaputt sein sollte, dann – so what! Umsonst hab ich’s bekommen (gewonnen!), umsonst kann es wieder gehen. Na klar wäre es schade, aber ich weiß, dass ich mich darüber nicht aufregen sollte.

Meine verdorrte Pflanze

Es gibt diese tolle Geschichte von Jona, der, als er aus dem Wal gespuckt wurde, in der Sonne vor der Stadt Ninive rumsaß und sich freute, dass Gott ihm eine Pflanze als Schattenspender wachsen ließ. Er wachte am nächsten Morgen auf und die Pflanze war verdorrt. Und schon ging das Gezeter los: „Hallo?! Was soll das??! MEINE Pflanze, wie kannst du mir MEINE Pflanze jetzt wieder wegnehmen??“
;)

Danke fürs Zulassen

Dass ich mich selbst ausgesperrt habe, war mein eigener Fehler, das ist klar. Und trotzdem ist man doch so leicht dabei, zu fragen, wieso Gott irgend was zulässt, wofür man eigentlich selbst grade stehen sollte. Eigentlich kann ich total froh sein, dass ich spontan woanders schlafen konnte, dass ich zum nächsten Tag keine großartigen Uniaufgaben hatte, die ich so nicht erledigen konnte oder Ähnliches.
Und zu guter Letzt noch ein Wort zu meinen Tieffliegerqualitäten ;). Auch wenn mich die aufgeschabte Haut unter dem Pflaster immer noch ganz nett anschaut und es ab und zu zwiebelt – meine Güte, so schlimm ist es nicht. Und an der Stelle vielen Dank an euch liebe Leutis, die ihr mir Pflaster, Wundsalbe und Geduld geschenkt habt =).

Was kann ich aus dieser Aktion mitnehmen?

Erstens, dass es sich lohnt, die Perspektive zu ändern und das Gute zu sehen. Gott meint es – gut.
Zweitens, dass Grenzerfahrungen nicht nur auf Reisen ohne Geld auftreten, sondern auch im Alltag ein neues Verhältnis zu einem selbst und Gott schaffen können. (FBK ;) )
Drittens, dass angebliche Pechsträhnen reine Sichtverzerrung sind, weil man sich lieber frusten lässt, als Verantwortung für die aktuelle Situation zu übernehmen.
Viertens, dass Gott in einem Maß gibt und nimmt, in dem es sich alles wieder ausgleicht.

Auf viele tolle Erlebnisse auch für euch ;),

La piccola fiore

PS: Am Wochenende war ich mit meinem Freund spät dran, wir wollten zum Bahnhof. Straßenbahn verpasst, in Zug an anderem Bahnhof eingestiegen, um zum Zielbahnhof zu kommen. 10 Minuten gewartet, dann Durchsage „Meine sehr geehrten Damen und Herren, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass unsere Lok gänzlich kaputt ist. Ein Weiterfahren ist vorerst nicht möglich.“ Anschlusszug verpasst.
Die Sonne hat geschienen =).

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