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ANNsichtssache

Lachfalten, frisch gebügelt

Mir ist etwas aufgefallen. Seit ich in den letzten Wochen für mein Praktikum oft in Bahn und Bussen umher gependelt bin, konnte ich jede Menge Leute für ein paar Momente „kennen lernen“. Und wie das so am frühen Morgen und am Abend nach der Arbeit zu erwarten ist – die Mienen waren oft eher griesgrämig und todernst. In so einer Umgebung mutet es irgendwie komisch an, jemanden anzulächeln. Die meisten Gesichter sagen einfach „Lass mich in Ruhe, ich bin hier nur auf der Durchreise.“

 

Während ich diese Woche Pakete verpackt habe, lief im Radio ein Beitrag darüber, dass die Menschen immer egozentrischer werden. Sie bauen Wälle um sich herum auf und selten sieht man mal fremde Menschen miteinander lachen oder zumindest reden. Nicht bei uns.

 

Aber es gibt Momente – und das hat mich heute einfach ein Stück weit fasziniert – da geht in den finsteren Morgenmuffel- und Arbeitstiergesichtern die Sonne auf. Wo kommt sie her? Aus einem Wagen, aus dem ein kleines rundes Gesicht herausragt. Mit aufgesperrten Augen, die strahlen als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt. Kleine Patschehändchen, die sich nach außen strecken oder gerade etwas zum Mund führen wollen, das dort eigentlich nicht hingehört. Sie drehen sich um und die Person fängt an zu lächeln! Es ist unglaublich, wie ansteckend das Strahlen eines Babys wirken kann. Teilweise beobachte ich sogar Leute, die bewusst den Blickkontakt mit dem Kind suchen und dann zurückstrahlen.

 

Der Gedanke, dass diese kleinen Geschöpfe in einigen Jahren vermutlich Erwachsene sind, die ebenso gleichgültig betrachtet werden, wie alle anderen, ist dagegen ziemlich traurig. Als wäre der Mensch nur im jungen Alter ein Lächeln wert, da wo er es noch bedingungslos verdient und wo er noch nicht sehr viel denken kann, einfach nur lächelt.

 

Ich glaube, wir machen es uns selbst nicht so leicht. Der Gruppenzwang zum Einen und trotzdem hat der Mensch eben scheinbar dieses Bedürfnis Freude zu verbreiten oder sich zumindest anstecken zu lassen. Als sich heute Morgen im Zug eine Frau zu mir setzte, hat sich mich angelächelt. Das hat nicht weh getan, weder ihr noch mir. Am Nachmittag kam ich zwar auch ins Gespräch mit einer anderen Frau, die sich über die Bahn beschwerte. Aber – und das ist der Unterschied – das Gefühl war ein Anderes. Klar können wir uns auch mit Anderen durch schlechte Stimmungsmache und gleiche Feinde verbinden, aber wirkliche Verbindungen werden eben durch eine positive Grundstimmung erschaffen. Und die beginnt oft mal mit einem Lächeln. =)

 

La piccola fiore

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