ANNsichtssache

Life Zapping: Und was ist heute dran?

Fahrschule, du sitzt im Auto und konzentrierst dich auf den Verkehr. Plötzlich erlebst du eine ungewohnte Situation: ein Radfahrer kommt an einer Kreuzung aus einer Nebenstraße angefahren und schaut abwartend nach vorn, um zu sehen, ob er durchgelassen wird oder nicht. Aber du bist auf der Vorfahrtstraße. Jetzt überlegst du hin und her – innerhalb weniger Sekunden- bremst du ab oder ziehst du durch? Schließlich bist du unsicher und wirst etwas langsamer und der Radfahrer schreckt verwirrt zurück, als du letztendlich doch wieder beschleunigst.

 

Solche Situationen können uns ereilen, wenn wir unsere Probleme damit haben, Entscheidungen zu treffen. Das können ganz kleine Dinge sein, wie oben genannt und bedeutendere wie Beziehungen oder die Berufswahl.

 

On und Off und weg

Zur Veranschaulichung nehme ich mal das Beispiel der Partnerschaft. Mal angenommen, du stehst irgendwann in deinem Leben an einem Punkt, wo du jemanden getroffen hast, der zu dir passt und mit dem du dir ein gemeinsames Leben vorstellen kannst. Was bringt eure Beziehung voran – deine weitere Suche nach einer Alternative, das Freihalten von möglichen Optionen oder die Zusage der Treue? Entgegen den vielen Gegenstimmen der heutigen Zeit kann man doch erst mal feststellen, dass eine Beziehung, in der sich die Partner einander dauerhaft versprechen, mehr Freiraum für Offenheit schenkt und Zeit und Möglichkeiten, die Beziehung zu entfalten, zu gestalten und ihr Zeit zu geben, damit sie Wurzeln schlagen kann. In einer Beziehung kommt außerdem der Aspekt hinzu, dass wir unserem Gegenüber ein Gefühl von Sicherheit vermitteln und das mit unseren Taten bestätigen können. Ähnlich wie dem Radfahrer an der Kreuzung.

 

Rest- and rootless?

Oder nehmen wir das Beispiel Beruf. Manche von uns rennen von einem Projekt zum nächsten. Fangen ein Studium, eine Lehre an, brechen ab und finden in der nächsten Option auch keine dauerhafte Bleibe. Wir Menschen wollen doch nicht viel verpassen, erst recht nicht heute, wo uns – auch beruflich- so viele Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

 

Aber brauchen wir die wirklich alle? Ist es nötig, dass wir überall reingeschnuppert haben, wenn der Vorhang des Lebens gefallen ist und dass wir uns ausprobiert haben, bis wir nicht mehr wissen, wo wir uns niederlassen können?

Ich nenne das mal „rastlos in einer Welt voller Optionen“. Und Rastlosigkeit kann in jungen Jahren durchaus was Aufregendes an sich haben. Jede Menge Erfahrungen zu sammeln, das Gefühl des Unbekannten immer wieder neu erleben, sich selbst in anderen Kontexten neu kennen lernen. Ich will auch nicht sagen, dass sich niemand mehr auf der Welt umsehen darf und suchen soll. Auf keinen Fall.

 

Lebensqualität durch Entscheidungen

Aber alles hat seine Zeit, auch wenn die bei jedem anders ist. Du kannst selbst feststellen, ob du in deinem Leben an einem Punkt bist, wo du eine Entscheidung treffen solltest oder nicht. Wenn du schon eine Art Leidensdruck empfindest, wenn du realisierst, dass du in der Auswahl vor dir nur immer einen Bissen tun kannst und nie das Ganze genießen kannst, dann halte an. Kurz, lang, wie du willst. Aber beurteile deine Situation so, wie sie ist: du hast wahnsinnig viel zur Wahl, so wie viele andere Menschen auch. Du kannst eine Wahl treffen und sie Wurzeln treiben lassen. Die Ängste, dass du durch Verpassen deinem Leben Qualität nimmst, sind meistens doch unbegründet.

 

Ich habe vor einigen Jahren diesen Spruch gefunden:

Jede Entscheidung ist ein Massenmord an Möglichkeiten.“

Das klingt brutal, aber lässt dich zur Ruhe kommen und gibt dir die Möglichkeit, dich auf etwas Wesentliches zu konzentrieren. Du kannst investieren, ohne abgelenkt werden von der Suche nach etwas Besserem.

 

Was ich hier nicht schaff, erleb ich niemals?

Das Thema ist ziemlich weitläufig und man kann das nicht allzu sehr verallgemeinern. Aber ich denke, es ist für jeden angebracht, sein Leben mal auf ausgebliebene Entscheidungen zu scannen und seine Einstellung zu den getroffenen und Entscheidungen im Allgemeinen zu überdenken.

Was viele Menschen auch so sehr herumtreibt, ist die innere Annahme, dass dieses Leben das einzige ist und es deshalb so erfüllt wie möglich sein muss. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass das Vertrauen auf ein Leben nach dem Tod diesen Druck enorm abbauen kann. Dann muss ich nicht mehr alles ins Leben quetschen, was geht, und dann geht es nicht in erster Linie darum, mich zu verwirklichen, sondern einen größeren Plan. Und der kann in der Umsetzung nach außen noch so klein wirken – wenn die Wurzel dafür weitläufig und stark ist. :)

 

La piccola fiore ♥

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