ANNsichtssache

Zeitreise: Ein Gedankensprung

Wir erleben in unserem Leben zahlreiche Schnitte und Veränderungen, Kindheit und Jugend, Erwachsenenalter bis zum Ende. Wenn wir alle die erreichen. Aber momentan leben wir nun mal im Moment, doch der Moment ist im Prinzip auch stückweise ein Teil unserer Vergangenheit. Unsere Erlebnisse, die Menschen, die uns geprägt haben und die Orte, an denen wir waren – das sind Erinnerungen, die verschüttet werden können. Aber sie machen trotzdem irgendwie unser Leben aus. Und das kann kein Mensch mit uns 1:1 teilen.

 

Gute oder schlechte alte Zeiten

 

Wir leben sehr oft in der Zukunft – ganz klar, weil wir die noch prägen und gestalten können. Im Endeffekt ist es ja nicht sinnvoll, die ganze Zeit an früher zu denken. Aber was mir bewusst geworden ist: gerade wenn wir auf Dauer in einer Lage oder Umgebung stecken, die sich nicht großartig verändert, ist die Erinnerung an „früher“ (besonders natürlich an die schönen Momente) ziemlich verklärt und gepaart mit Sehnsuchtsgefühlen. Wer kennt das nicht, zumindest vom Hörensagen?

 

Es ist aber meiner Meinung nach wichtig, mit dem Leben hinter einem aufzuräumen und sich damit zu versöhnen sowie es dankbar wahrzunehmen. Die meisten Menschen haben irgendwelche Dinge erlebt, an die sie sich nicht gern erinnern und manche, wenn sie dann ihre Vergangenheit in Kürze zusammenfassen sollen, sagen das auch klipp und klar durch die negative Brille hindurch. Aber es gibt garantiert in jedem Leben Zeiten, Eindrücke, Menschen, sogar kleine Wunder und prägende Erlebnisse, an die wir uns gern zurück erinnern und die in der Erinnerung meist auch angenehmer sind als sie in echt waren.

 

Das Experiment

Mein folgender Tipp klingt wahrscheinlich ziemlich abgespacet und eignet sich am besten für schlaflose Nächte, in denen man sowieso nachdenkt und keine Schafe mehr zählen möchte. Dazu ist es eine gute Denkübung und hält die grauen Zellen aktiv ;).

 

Es ist möglich, wie in einem Trailer das eigene Leben vor sich abzuspulen. Trailer sind nicht wirklich chronologisch aufgebaut, da ist mal hier ein Ereignis, da eine Momentaufnahme usw. Ich fand es ganz lustig, einfach mal durch mein Leben zu springen – gedanklich. Man fängt einfach an einem Punkt an. Mal angenommen, beim Gedanken an den Ort, die Wohnung, das Haus, in dem man aufgewachsen ist. Man stellt sich einige Szenen vor und pickt sich dann (teilweise ganz von selbst) etwas Markantes – einfach eine Assoziation damit – heraus, und kramt in seinem Gedächtnis nach der passenden weiteren Erinnerung und versucht sich immer möglichst genau an die Details zu erinnern. Mal angenommen, wir erinnern uns jetzt an den Frühstückstisch, dann geht es weiter mit der Schule (weil man an die oft dachte, wenn man daran saß z.B.), dort mit der Pause, dann mit der Unimensa (weil Pause vom Lernen und Essen), weiter zur Semesteranfangsparty hin zum Grundschulfasching und und und.

 

Ich hab gemerkt, dass es eigentlich ganz cool ist, hin und her zu springen ohne sich dabei anstrengen zu müssen, chronologische Lücken zu füllen. Und vielleicht merkt man dabei – das Leben, das man bis jetzt hatte ist total wertvoll und voll von geschenkten Momenten, die es lebenswert gemacht haben. Oder man bemerkt Menschen, die sich so für einen aufgeopfert haben – Eltern oder andere- was man noch nie so richtig wertgeschätzt hat.

 

Das Experiment kann man so lang machen, bis man dort ankommt, wo man sich im Moment befindet. Und dann einschlafen ;). Da geht es dann vielleicht sogar weiter und das vermutlich noch fantasievoller, weil nicht real.

 

La piccola fiore

 

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