ANNsichtssache

Clear the Stage: Ziele statt Vorsätze

Hallöchen zum neuen Jahr!

Inzwischen sollte der Weihnachtsbraten verdaut, der Silvesteralkohol aus dem Blut und die Vorsätze vergessen sein. Obwohl – das wäre vielleicht doch etwas schnell? Wenn ich mir so die Posts anschau, die auf Facebook den Umlauf machen, wird mir klar, dass die meisten von uns sowieso keine Vorsätze mehr haben. Ich selbst auch nicht – jedenfalls nicht so explizit und neu schon gar nicht – aber bei wem ist das schon so ;). Im Prinzip könnte man ja sowieso mitten im Jahr einen Kurswechsel vornehmen, aber dazu fehlt dann wahrscheinlich Manchem der psychologische Ruck: die Motivation, die so ein unbeschriebenes, neues Jahr geben kann.

 

Ein neues Schema?

Es liegt so offen da, der neue Kalender ist noch nicht vollgekritzelt mit To-Dos und Terminen und wenn doch, dann liegen die aber erst in der Zukunft und noch nicht allzu viele hinter einem. Da kann einen das Gefühl beschleichen: jetzt endlich kann ich es schaffen, mir selbst zu beweisen, dass ich nicht so schlecht bin. Oder ich kann mich selbst irgendwie überlisten, indem ich strikt nach einem neuen Schema – meinen Tag einteile, mit meinem Geld umgehe, Sport mache, meinen Freund behandle.

 

Durch Gewohnheit zum Ziel?

An sich keine schlechte Sache. Ich habe schon oft gehört, dass man Dinge zwei Wochen lang einfach durchziehen muss, und sich dann daran gewöhnt hat und sich nicht mehr dazu zwingen muss. So kann man sich gute wie negative Angewohnheiten antrainieren. Und abtrainieren. Ich hab in meinem Blog schon öfter das Thema Zielgerichtetheit und Motivation angesprochen. Auch beim Thema Neujahrsvorsätze gilt die alte Leier: sein Ziel vor Augen zu haben, kann helfen die Dinge nicht zu tun, die verhindern oder den Blick auf das Ziel behindern – und die Dinge zu tun, die es ermöglichen.

 

Im Detail planen und vermeiden

Wenn also mein Ziel ist, dass mein Körper noch viele Jahre gesund ist, dann muss ich mir überlegen, was dem Ziel dient und wie weit ich selbst dazu überhaupt etwas beitragen kann. Und dabei ist es wichtig, im Kleinen zu planen – was kann ich an jedem Tag dafür tun? Obst, Gemüse, Bewegung, Wasser – schon klar. Aber darum muss ich mich Tag um Tag kümmern, es reicht nicht mir das vorzunehmen (na ach ;)). Oft hilft es, sich bestimmten Dingen gar nicht erst auszusetzen, im Supermarkt keine Schokolade zu kaufen, den Computer gar nicht erst hochzufahren, das Handy auszumachen, wenn man auf 180 ist und seinen Frust am Partner auslassen möchte.

 

Prioritäten als Enttäuschungshemmer

Wo ist dein Herz?

Was ich auch wichtig finde, ist, sich ruhig am Anfang eines Jahres ein paar Momente Zeit zu nehmen – nachzudenken und aufzuschreiben, was man für Ziele hat. Mal angenommen, du hast das Ziel in diesem Jahr 10 Kilo abzunehmen, außerdem möchtest du in deinem Studienschnitt um einige Kommastellen besser werden, willst mehr Zeit für deine Freunde finden und endlich den Stapel ungelesener Bücher ad acta legen können. So gesehen sind das ja super Vorhaben, aber um nicht überrumpelt zu werden von so vielen Dingen, ist es hilfreich sie nach ihrer Priorität zu ordnen. Wenn sie einander nicht überschneiden, in der Ressource, die sie benötigen – zum Beispiel Zeit – dann ist das nicht das Problem. Aber wenn sich Lesen, Lernen und Freunde gegenseitig ständig den Rang ablaufen, bist du vielleicht irgendwann Mitte des Jahres enttäuscht, dass ein Punkt davon ins Hintertreffen geraten ist. Je nach Priorität kannst du die Häufigkeit und Intensität der Vorhaben in jeden Tag oder Woche integrieren oder ausschließen. Wenn du festlegst, dass du zwei Abende in der Woche wenigstens eine Weile zum Lesen kommen möchtest und einen Abend ganz bewusst mit den lieben Skripten verbringst ist das realistischer und macht nicht so viel Druck. Und klar – flexibel muss man auch sein, letztendlich steht keiner mit dem Hammer hinter dir, dass du deinen Plan ja einhältst. Du selbst hast ja den Vorteil davon.

 

Bühne frei für Platz Eins

Ich habe heute den Song „Clear the Stage“ von Jimmy Needham für mich wiederentdeckt. Er hat mich inhaltlich an eine Geschichte erinnert, die sich vor vielen Jahren zugetragen haben soll: ein Mann rennt wutentbrannt in einen Tempel und schmeißt die Tische um, die Händler aufgebaut haben, um Geld zu machen und ihre Waren an die religiöse Zielgruppe zu bringen. Die Münzen fliegen durch die Luft, die Händler raffen ihre sieben Sachen zusammen und fliehen aus dem Gebäude. Für mich hat diese Situationsaufnahme etwas von einem Sturm, der so stark ist, dass er mit einem Hauch alles, was nicht dort ist wo es hingehört, wegweht. Dann legt er sich wieder und es ist ruhig und – the stage is cleared. Die Bühne ist frei, wie nach einem grottigen Poetry Slam, bei dem die Zuschauer nur auf den Sieger warten, weil die anderen ihm nicht das Wasser reichen können.

 

Shine the light on every corner of your life until the
pride, and lust, and lies are in the open […]

We must not worship something that’s not even worth it


Clear the stage, make some space, for the one who
deserves it

 

Anything I put before my God is an idol
Anything I want with all my heart is an idol
Anything I can’t stop thinking of is an idol
And anything that I give all my love is an idol“

 

Was ist es wert?

Wenn Gott in deinem Leben einen Platz haben soll, dann mach auch und vor allem für ihn die Bühne frei – deinen Alltag, jeden Tag, den ersten Platz auf deiner Prioritätenliste. Was ist es wert, angebetet zu werden? Was ist es wert, aus vollem Herzen verlangt zu werden, dass du nur daran denken kannst, das du bedingungslos liebst? Ist es das wirklich wert?

 

Ein langer Beitrag zum neuen Jahr, vieles hab ich wohl wiederholt. Aber ich wünsche jedem Leser ein gutes Jahr, mit der Frage nach dem Ziel im Hinterkopf und einer nicht so vollgestellten Bühne. ♥

 

La piccola fiore

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