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Hassliebe Herbst?

Für www.idealisten.net habe ich einen Beitrag über den nun offiziell stattfindenden Herbst (der sich gefühlt ja schon wochenlang draußen herumtreibt) geschrieben. Schaut doch dort auch mal vorbei, ist eine gute Mischung aus unterschiedlichen Themen, die junge Leute interessieren. ;)


 

Eine Ode an die kühle, bunte Jahreszeit, die nicht genau weiß, was sie will. An schleierhafte Regentage, gemütlichen Kerzenschein, das Gefühl von Verfall, tiefe Gedanken und geschenkte Zeit.

Hassliebe Herbst?

Für viele kam er zu früh dieses Jahr. Ich mag den Herbst und ich glaube, dass auch die Sonnenanbeter, die sich über einen regnerischen August aufregen, der unliebsamen Jahreszeit etwas abgewinnen können. Sie müssen nur mal genau hinsehen: Zehn Gründe, warum der Herbst seine vollste Berechtigung hat.

1. Graue Morgenromantik und entstaubte Gedanken

Eigentlich mag ich es, wenn ich morgens aufwache und es hell ist und die Sonne scheint. Aber gerade aufgestanden zu sein, sich an den Tag zu gewöhnen und in ein sanftes Grau zu schauen, einen transparenten Schleier von Nieselregen beobachten zu können, während man selbst im warmen Zimmer sitzt, hat eine gewisse Romantik. Es mag ja Leute geben, die den Tagen mit einem Kickstart beginnen wollen. Ich kenne aber genug Leute, die sich gerne etwas Zeit lassen, um in der Realität anzukommen. Dabei kann man sich seinen Gedanken hingeben und auch mal unter die sonnige Seite zu schauen – und entstauben und aufräumen, was man im Sonnenschein vielleicht gerne mal unter den Teppich kehrt und verdrängt.

2. Farbkontraste zur Tristesse

Der Herbst bietet die tolle Möglichkeit, Farben neu zu entdecken und sich und sein Umfeld damit herauszuputzen. Man kann sich auf Erd- und Beerentöne konzentrieren und Herbstdekoration mit natürlichen Werkstoffen wie bunten Blättern, Kastanien etc. gestalten. In der Wohnung lassen sich so schöne Kontraste zu der sonstigen Tristesse setzen. Und das auch mit ganz günstigen Mitteln. Die meisten Dinge gibt es jetzt draußen in der Natur. Und auch ein bordeaux- oder lilafarbener Farbklecks in Form einer Serviette mit einer schönen Kerze können schon etwas hermachen können.

3. Intensive Spaziergänge

Die vielen bunten Veränderungen und Farbkleckse in der Natur entdeckt man am besten bei ausgiebigen Herbstspaziergängen. Sie bieten die Möglichkeit die Umgebung zu entdecken und den Kopf frei zu bekommen. Der Herbst ist eine Jahreszeit, in der man sehr intensiv Gerüche wahrnehmen kann. Die Luft ist klar und duftet durch den Regen nach nasser Erde und Co.

4. Dankbar sein für grundlegende Geschenke Gottes

Was ich an den Spaziergängen besonders schön finde, ist das Gefühl, wenn ich nach einer Weile an der frischen Luft leicht durchgekühlt wieder ins Warme komme und einen heißen Tee oder eine heiße Schokolade, je nach Kalorienbedarf, trinken kann. Wenn ich ehrlich bin, ist allein dieser Umstand schon eine Art Luxus. Wenn man mal bedenkt, wie viele Menschen auf der Welt sich so etwas nur wünschen können. Ein guter Grund, um dankbar zu sein für das, was Gott mir ermöglicht. Gleichzeitig möchte ich darauf achten, für Menschen da zu sein und für die zu beten, die sehr viel existentiellere Probleme haben als ich.

5. Der Lethargie entgegenwirken

Der Herbst hat nicht nur das Potential zur Stille, sondern er kann den Menschen auch wieder ankurbeln, aktiv zu werden. Ich kann viel besser produktiv werden, wenn es draußen nicht so strahlend aussieht oder kuschelig warm ist – ich setze dem Wetter gerne etwas entgegen, so blöd das klingen mag.

6. Mit Indoor-Gemeinschaft experimentieren

Der Herbst lädt dazu ein, Gemeinschaft zu haben. Ich bevorzuge beim Zusammentreffen mit meinen Freunden Brett- und Kartenpiele, wobei so eine LAN-Party auch viel Spaß machen kann. Und sicher ist ein Fernsehtag mit einem guten Freund oder dem Schatz an einem Regentag auch nicht zu verachten. Zwischendurch mal eine Packung Nudeln in den Kochtopf hauen und dann geht es weiter. Alternativen zur eigenen Wohnung sind zum Beispiel Bowling, Schwimmbad oder ein Kaffeetrinken in der Stadt.

7. Inspirationen sammeln

Eine Tour durch das Einrichtungshaus des Vertrauens kann einen regnerischen Tag auch erhellen. Viel Bares braucht man dazu nicht. Inspirationen zur Einrichtung kriegt man kostenlos, wenn man sich die Zeit nimmt, in Ruhe durch die Wohnlandschaften zu flanieren.

8. Die Plätzchensaison eröffnen

Wer gern in der Küche steht, kann im Herbst auch schon mal mit dem Plätzchenbacken anfangen. Es gibt genug Rezepte, die nicht typisch weihnachtlich sind. Und für die Singles oder die Gerne-Schenker unter uns gibt es die Möglichkeit die Kekse schön zu verpacken und in die Uni, auf die Arbeit oder zum Spieleabend mitzubringen.

9. Stille Hobbys zelebrieren

Bücher entführen in andere Welten. Dafür braucht es meine volle Aufmerksamkeit. Ich muss andere Dinge aus den Händen legen und meine Konzentration auf die Buchstaben lenken. Erst dann kann ich meine Umgebung vergessen und in die Geschichte und Gedanken eintauchen. Und wenn ich wieder aufgetaucht bin, hat mir das Buch bestenfalls etwas vermittelt, das ich in mein Leben und auf das Leben anderer anwenden kann. Der Herbst schenkt uns viele Möglichkeiten, um sich in ruhige Tätigkeiten zurückzuziehen und dabei nicht das Gefühl zu haben, dass das pulsierende Leben eigentlich gerade vor der Tür stattfindet. Auch Stricken, Nähen, Häkeln, Basteln und Hörbücher hören bieten sich an.

10. Klamotten, die prägen und geprägt werden

Der Herbst fordert von uns, uns anzupassen. Andere Klamotten werden hervorgeholt und neue kommen hinzu. Schals und Mützen können Akzente setzen und Farbe in den Tag bringe. Es können neue Lieblingsteile in den Kleiderschrank trudeln, die fast täglich getragen werden und mit Erinnerungen angefüllt am Ende des Herbst oder Winters wieder hinten im Schrank verschwinden. Die Klamotten, die ich zum Beginn meines ersten Wintersemesters gekauft habe, erinnern mich noch heute an das Gefühl und die Erfahrungen dieser ersten Zeit meines Studiums. Um Platz für Neues zu schaffen, kann man sich in der Stadt mal nach Kleidersammlungen umsehen, so freuen sich Leute auch an den eigenen ehemaligen Lieblingsstücken.

Der Herbst ist wie ein Sprungbrett in den Winter und der ist ja bekanntermaßen lang genug. In diesem Sinne wünsche ich einen besinnlichen und aktiven Herbst!



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