ANNsichtssache / Manna

Wann halt ich fest, wann lass ich los?

Während ich darauf warte, dass ich meine weihnachtlichen Pralinen aus dem Kühlschrank holen kann, wollte ich mir heute mal wieder etwas Zeit für einen Blogpost nehmen. Na, wie viele Weihnachtsfeiern hast du für dieses Jahr schon hinter dir? Ich eine mit viel Blingbling und aufwändiger Deko, die später im Staubsauger, unter den Schuhen, im Gesicht gelandet ist und – da als Wurfgeschosse verwendet – in sämtlichen Ecken der Location zu finden war.

Kennst du Schrottwichteln? Ich feiere seit einigen Jahren mit dieser Tradition Weihnachten. Okay, das Wichteln macht Weihnachten nicht aus, aber Dinge zu verschenken, die man nicht mehr braucht, sorgt immer wieder für Heiterkeit und Überraschungen. Und was nicht zu vergessen ist – man wird das dumme Ding, was man seit einiger Zeit rumstehen hat, endlich los! Also geht es vorher auf die Suche und dann wird schön eingepackt, damit das Geschenk auch ja schnell einen Abnehmer findet, der sich etwas aus der vielversprechenden bunten Auswahl unter dem provisorisch geschmückten Baum aussuchen darf.

Dieses Jahr ist mir bei meiner Suche nach dem ultimativen Schrottgeschenk aufgefallen, wie sehr wir als Menschen zwischen Loslassen und Festhalten balancieren müssen. Es gibt Dinge, die habe ich seit Jahren nicht angefasst, geöffnet, benutzt. Und dann finde ich sie eines Tages und überlege mir, sie bei eben solch einer Weihnachtsfeier zu verschenken und urplötzlich fängt dieses kleine Etwas an, mir zu gefallen! Das darf doch nicht wahr sein. Als hätte man einen kleinen Schatz gehoben, den man schon längst besaß, bekommt das, was man verlieren könnte, jetzt wieder einen Wert. Und mich davon loszueisen braucht dann meist einfach einen kurzen Ruck und dann ist das Vergessen auf meiner und die Freude auf anderer Seite größer als die Nostalgie.

Bei Dingen kann das leicht fallen, aber auffallen tut es mir eben doch, dass da etwas geht. Und dass es ein Wertpotential hat. Aber klar, das letzte Hemd hat keine Taschen, ich kann gar nichts von all den Dingen, die mir selbst jetzt noch nützlich und lieb sind, in die Ewigkeit mitnehmen. Mal am Rande bemerkt.

Aber es gibt neben Dingen ja auch Menschen. Ganz besondere, einzigartige Menschen – wir alle eben. Menschen kommen auch in die Jahre und stauben ein – als Fotos an meiner Wand, in meiner Erinnerung, auf meinem Schreibtisch, in meinem Nummernspeicher, in meiner Freundesliste auf Facebook. Verblenden in den diffusen Hintergrund meines Alltags, den Routinen der Tage, den selbstverständlichen Treffen, der Bezeichnung unserer Beziehung.

Menschen wie Dinge werden besonders, werden wieder begehrenswert, wenn man sie verlieren kann. Ich hasse meine Eifersucht und trotzdem sind wir auf Du und Du. Sie redet mir dumme Sachen ein, aber sie hat mich auch etwas gelehrt, das ich nicht missen will: dass mein Gegenüber wertvoll ist, dass ich es nicht einfach kampflos aufgeben will und werde. Dass ich mich entschlossen für unsere Beziehung einsetze und ehrliche Wertschätzung über den Wunsch nach Sicherheit und Kontrolle stelle.

Mein Freund hat mir eine wahnsinnige Frage gestellt und – ja. Ja, ich will. Und ja, ich will den Wert sehen, egal in welcher Verbindlichkeit wir zueinander stehen. Egal, wie lang die Beziehung schon geht. Sehen, was ich habe oder besser – was er, was Gott mir mit diesem Menschen schenkt. Danke.






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