ANNsichtssache / Manna

Was fehlt mir? – Leben ohne Lückenbüßer

Mein Grund zum Aufschieben

Gerade hat die Fastenzeit angefangen. Auf was ich verzichte und was das mit mir macht, erzähle ich später. Zu Anfang möchte ich auf etwas eingehen, was mir die letzten Tage aufgefallen ist. Ich stehe gerade vor meiner letzten Prüfung und ich habe so einen Knackpunkt in der Prokrastination, also dem Aufschieben vom Lernen, entdeckt. Ich fange an manchen Tagen nicht an zu lernen, weil ich einen groben Überblick der Fülle des Lernstoffs vor Augen habe und die Angst mich lähmt, ich könnte mir das sowieso nicht alles merken. Also schiebe ich es raus. Ähnlich ist das, wenn ich eine Flaute in meinem Glauben erlebe. Ich weiß, ich habe mich gerade gefühlsmäßig von Gott entfernt, deshalb wäre die Mühe mich auf ihn einzulassen und zu beten zu unangenehm und meine Serie, die gerade sowieso im TV läuft, kommt mir da sehr gelegen.

Die Geschichte mit den Talenten

Es gibt wenige Gefühle, die mir so unaufhaltsam und unangenehm auf das Gewissen drücken, wie die Dinge, die ich nicht getan habe oder tue und deren ich mir immer und immer wieder unterschwellig bewusst bin. Tief in mir wird da genau das Gleichnis aus der Bibel angesprochen, in dem drei Angestellten eines Vorgesetzten unterschiedlich viele Talente (damals babylonische Maßeinheit zum Aufwägen der Währung) zur Verfügung gestellt bekommen, bevor der Herr verreist. Ein Angestellter hat nur ein Talent bekommen und er hat furchtbare Angst und Hemmungen, es zu investieren, also vergräbt er es. Als sein Herr wiederkommt, ist dieser zutiefst enttäuscht, dass sein Diener so mit dem ihm Anvertrauten umgegangen ist. Währenddessen haben die anderen Angestellten mutig investiert und gute Gewinne erzielt. Ich fühle mich manchmal wie dieser feige Diener, der sich in manchen (nicht allen) Lebensbereichen – besonders denen, die nicht monetär oder durch klare Ergebnisse messbar sind – zurückzieht und in gefühlter Schockstarre einfach etwas anderes macht, nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Ich komme später auf diesen Zustand zurück. Im nächsten Abschnitt möchte ich auf eine klitzekleine Lektion zu sprechen kommen, die mir beim – Achtung, Hausfrauenalarm! – Staubsaugen erteilt wurde.

Desperate Housewive – Staubsaugen auf Ungeduldig

Ich war also mit Staubsaugen beschäftigt. Ich hatte manchmal keine Lust den Staubsauger extra anzuheben und herumzutragen, also habe ich einfach am Schlauch gezogen und währenddessen weiter gesaugt. Was ist passiert? In diesem Fall hatte ich die Motivation anzufangen, dahingehend alles super. Aber mir stand meine Ungeduld im Weg und der Schlauch, der sowieso schon locker saß, ist immer wieder aus dem Gerät gerissen worden. Ein Staubsauger bekommt seine Energie und Saugkraft aus seinem Inneren und der richtigen Stromzufuhr. Es reicht nicht aus, dass ich den Schlauch über den Boden zerre. Nur, wenn ich genug Geduld habe, in die Ecken gehe und der Schlauch mit dem Staubsauger verbunden bleibt, wird der Raum wirklich sauber. Ich glaube, der ein oder andere von uns verhält sich manchmal wie ein ungeduldiger Mensch, der den Staubsauger nicht anheben möchte und dann einfach flüchtig nur mit dem Schlauch sauber macht, ohne es zu merken. Wir merken sehr wohl, dass wir Veränderung und einen ‚Arzt‘ für gewisse Lebensbereiche brauchen. Aber wir halten nicht lang genug still, um die Ecken gründlich zu reinigen. Wir nehmen Reißaus vor unserem Schöpfer, der in uns am Werk ist, wenn es uns zu sehr weh tut, zu sehr an die Substanz geht, zu sehr von unserer Routine abweicht. Wenn es länger dauert und wir eigentlich nur den schnellen Ambulanztermin erwartet hatten. Diagnose gestellt? Alles klar, ich weiß Bescheid!

Lecks im Herzen

Aber nur wissen, das reicht oft nicht aus. Wahrheit muss ins Herz rutschen. Manchmal muss uns schmerzlich bewusst werden, dass wir falsch liegen, dass wir Heilung brauchen und dass es womöglich ein langer Weg ist, diese zu erlangen. Die Fastenzeit ist ein geeignetes Sprungbrett, um herauszufinden, wo die Lecks in deinem Leben sind, die immer wieder auslaufen und die dich zu Quellen zu treiben scheinen, die dich ständig aufgefüllt halten sollen. Solche Lecks bemerke ich, wenn das, was mich sonst gefüllt hat, wegfällt. Ich faste momentan soziale Netzwerke und schon nach ein, zwei Tagen fiel mir auf, dass da nicht nur meine Gewohnheit wegfällt, es fehlt mein Unterhaltungsprogramm, es fehlt der oberflächliche, aber immer mögliche Kontakt zu anderen Menschen. Ich muss mich jetzt intensiver um Kommunikation bemühen und mir vor allem sinnvollere Beschäftigungen suchen, und das tu ich sehr gern, denn es bringt mir viel mehr! Was zeigt mir aber dieses Fehlen von ständiger Kommunikation? Ich meine, dass es mir zeigt, dass ich mich in die lockere Zerstreuung und Kommunikation geflohen habe, wenn Situation X, News Y oder Gefühl Z aufgetreten sind. Es war meine automatische Reaktion. Nicht mit Gott darüber zu reden war mein erster Impuls, nein, mit anderen Menschen.

Was taugen meine Leckfüller?

Ich bin mir sicher, es gibt in fast jedem Leben solche Leckfüller, und sie funktionieren vielschichtig. Hast du schon mal die Einsamkeit erlebt, wenn du von Menschen umgeben warst, aber du wusstest tief in dir, dass ihre Nähe niemals das ersetzt, was du nicht hast – eine enge Beziehung zu deinem Schöpfer? Alles scheint leer, wenn einem der Gedanke kommt, dass das alles, was man vermisst oder das, was man hat (und was wegfallen kann) einem nicht die Erfüllung bringt, nach der man sich sehnt. Und damit schließt sich der Kreis wieder mit meinen anfänglichen Gedanken.

herzkerze Jeremia 31,3

Alles auf eine Karte

Wenn irgendjemand von euch in seinem Leben jemals an diesem Punkt sein sollte, dann bitte ich ihn, dass er nicht starr in dem Zustand verharrt. Du weißt vielleicht selbst, dass das Zurückkehren in alte Gewohnheiten (sei es Alkohol oder härtere Drogen, Co-Abhängigkeit vom Partner, unbedingtes Verlangen nach körperlicher Nähe oder Pornografie, Betäuben durch uferloses Fernsehen, depressive Passivität oder was es noch so gibt) dir nicht mehr gibt als Aufschub und Taubheit. Wenn du wirklich meinst, du brauchst jetzt Gott, dann such ihn, geh auf ihn zu. Genau jetzt. Und überwinde damit alle schlechten Vorerfahrungen, Sorgen, die Überzeugung, dass es mit dir und Gott sowieso nie etwas wird, den Stolz, dass du das nie für nötig gehalten hast oder die Enttäuschung, dass du es jedes Mal vermasselt hast.

 Jeremia 29,11
Jeremia 29,11

Ich kann dir nicht vorhersagen, was passieren wird. Aber ich bin mir sicher, dass etwas passieren wird. Es braucht Zeit, aber es wächst. In dir, vom Denken rutscht es ins Herz. Ich muss sagen, das ist auch für mich ein Abenteuer. Ich will nicht sagen, dass ich total verzweifelt bin, aber wenn du mal am Rand deines Lebens und des Todes oder der Hoffnungslosigkeit gestanden hast – und ich weiß, dass es einigen Leuten da draußen schon mal so ging – dann weißt du, dass es Sinn macht, nach jedem Strohhalm zu greifen. All in zu gehen auf eine Karte. Ich hoffe für dich und mich, dass sie der Jackpot ist, der jedes Leck schließt.

„Doch ich segne jeden, der mir ganz und gar vertraut. Er ist wie ein Baum, der nah am Bach steht und seine Wurzeln zum Wasser streckt: Die Hitze fürchtet er nicht, denn seine Blätter bleiben grün. Auch wenn ein trockenes Jahr kommt, sorgt er sich nicht, sondern trägt Jahr für Jahr Frucht.“ Jeremia 17,7-8

# Das war mein 100. dokumentiertes Manna und ich freu mich und bin sehr dankbar, wenn eins darunter war, das dir irgendwie aus dem oder ins Herz gesprochen hat. :)






4 Comments

  1. Liebe Anne!
    Ein wundervoller Artikel. So voller Tiefe und Ehrlichkeit.
    Diese Lecks kenne ich all zu gut. Und bevor mein Herz sie entdeckt hat, vergeht meist eine Zeit. Leider. Aber wichtig ist, dass wir immer wieder zurück zur unseren Rettung kommen.
    Ich wünsche dir viel Kraft und Ausdauer in dieser Fastenzeit. Ich finde deinen Versuch wunderbar, hab ich mich doch auch von allen sozialen Netzwerken verabschiedet. Vor 4 Monaten habe ich mein Smartphone verschenkt. Hatte ich bis dahin mind 30 Whatsapp Nachrichten pro Tag erhalten, empfange ich jetzt pro Woche etwa 10 Sms…. ein ganz großer Unterschied, der mir vieles deutlich gemacht hat. Jetzt ist vieles anders. Ich starre nicht mehr dauernd aufs Handy und ich investiere meine Zeit mehr in echte Beziehungen.
    Als ich mich von Whatsapp abgemeldet hatte, war ich ziemlich traurig. Jetzt ist es so als hätte ich diese App nie benutzt (außer dass meine Daten alle dort gespeichert wurden- naja ein anderes Thema…). Man kann sich recht schnell umgewöhnen.
    Also, vielen dank für den tollen Beitrag,
    glg Lena

  2. Hi liebe Lena,
    vielen Dank für dein Feedback und die aufbauenden Worte! :) Das bedeutet mir wirklich viel, weil ich besonders bei so sensiblen Themen oft zweifle, ob es richtig war, dass ich darüber einen Blogpost geschrieben habe oder ich weiß nicht, ob das rüberkommt, was ich damit ausdrücken wollte. Aber ich hoffe, dass Gott meine Worte gebraucht, egal wie durcheinander sie sind. ;)
    Find ich super, dass du so mutig warst und dich überall abgemeldet hast. Ist auch echt gut von anderen zu hören, weil es für mich selbst natürlich Neuland ist.
    Ich wünsch dir ’ne schöne Woche mit deinen Lieben!
    glg, Anne

  3. Liebe Anne,
    ich bin eben „zufällig“ auf deinen Blog und dieses Manna gestoßen. Was ich hier gelesen habe, ist genau das, was ich gerade gebraucht habe. Ich danke dir dafür.
    Liebe Grüße, Tina

    1. Hallo Tina,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Du glaubst nicht, wie viel es mir bedeutet, wenn jemandem durch den Blog geholfen wird. Alles Gute für dich und liebe Grüße! Anne

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