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ANNgetippt / ANNsichtssache

Ich steh zu dir

Je näher unsere Hochzeit rückt, desto mehr scheint in mir das Thema Partnerschaft zu arbeiten. Daher möchte ich hier noch ein paar Themen aus meiner Perspektive ansprechen und zum Nachdenken anregen.

Neulich ist mir ein altes Ehepaar aufgefallen. Die Frau war agiler als ihr Mann und drängte ihn dazu, sich zu beeilen und schneller zu schalten. Er war langsam, still und hat sich nicht gewehrt. Ich kann mir vorstellen, dass es ihm innerlich weh getan hat, von seiner Frau vor anderen Leuten kritisiert worden zu sein.

Solche Situationen habe ich schon öfter erlebt. Nicht nur an anderen, auch an mir selbst. Als Frau fühle ich mich oft mitverantwortlich für meinen Partner. Wenn er sich unpassend verhält, habe ich mich schon manchmal vor anderen für ihn entschuldigt. Vielleicht war sein Verhalten, so denke ich jetzt im Nachhinein, aber gar nicht immer so falsch, sondern einfach anders als meines. Und ich finde es unglaublich traurig, wenn ein Paar nicht zueinander stehen, sondern Hauptsache, den eigenen Ruf retten möchte.

youre enough to be loved

In dem Buch „Liebe und Respekt“ von Emerson Eggerichs sagt der Autor, dass Respekt für den Mann essentiell ist. Ich bin kein Experte, aber ich weiß, dass Menschen Bestätigung brauchen und dass an einen Mann viele Erwartungen herangetragen werden, auf die er nicht immer vorbereitet war. In meiner Beziehung war das ein stückweises Vorangehen und Lernen, für beide Seiten. In einem Alltag, in dem die Identität deines Partners durch Leistungsdruck und Vergleiche, Prokrastination, Krankheit und andere Flauten angekratzt werden kann, hast du als Frau eine Menge Macht. Du hast die Wahl noch nachzutreten, egal ob sein vermeintliches Versagen selbst- oder fremdverschuldet ist, oder zu ihm zu stehen und ihn im Kern seiner Person zu bestätigen.

Dieser Kern seiner Persönlichkeit ist der Ort, wo sein Herz ist. Wo seine Gedanken sind, seine verborgenen Gefühle, seine Zweifel und Sorgen. Dort setzt er sich mit den externen Erwartungen auseinander oder er versteckt sich davor. Dort ist er der Mensch, der von all den Erfahrungen seines bisherigen Lebens geformt wurde und der noch Träume und Wünsche verfolgt.

Als Partnerin kannst du dort ansetzen und ihn genau dort lieben. Unabhängig von seiner Leistung. Ich dachte lange Zeit, dass das absolut unsinnig ist. Würde es nicht viel mehr „Erfolg“ mit sich bringen, wenn ich ihn pushe und ihn darauf hinweise, dass man sich nicht so verhält? Anscheinend, so wurde mir von einem männlichen Vertreter gesagt, fühlt sich ein Mann aber viel mehr wertgeschätzt und dazu motiviert, etwas zu ändern, wenn er weiß, dass er geliebt wird, egal was kommt. Dass das Prinzip sei, dass die Frau beständig liebt und ihr Partner irgendwann sagt: Hey, so geht das nicht weiter. Ich kann sie doch nicht immer und immer wieder enttäuschen und sie nimmt das alles so hin. Jetzt bin ich dran! – Und wenn der Mann sich Gott gegenüber verantwortlich fühlt, kann er auf Dauer auch nicht mit gutem Gewissen seine Frau ausnutzen. Wie ich schon einmal geschrieben habe, glaube ich, dass Liebe Kraft hat. Und diese Liebe, die mit dem Partner durch dick und dünn geht, die schafft eine viel tiefere Intimität zwischen zwei Menschen als oberflächliches Geflirte.

Mit dem Annehmen des Partners meine ich übrigens nicht, dass ich sein Verhalten, das ihn vielleicht in eine Sackgasse geführt hat, gut heiße. Ich lenke aber seinen Blick vorerst auf die Aspekte seines Lebens, in denen ich ihn als vollwertigen Menschen wahrnehme. Ich erinnere ihn daran, was er in Gottes Augen ist. Und ich versuche ihm etwas vorzuleben, das ich bisher als gut empfunden habe und lerne in anderen Lebensbereichen ganz klar von ihm mindestens genauso viel. Wenn die Situation erfordert, dass sich etwas ändert, dann versuche ich mit ihm eine Lösung auszuarbeiten und einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn er noch emotional mitgenommen ist.

Wie geht es dir damit? Hast du diese positive Bestätigung oder die negative Korrektur bisher als beziehungsförderlich erlebt? Sind die Rollen bei euch vielleicht vertauscht?

All the best!






2 Comments

  1. Hallo Anne,
    ein ganz wichtiges Thema, das du da ansprichst. Ja, gegenseitiger Respekt ist so extrem wichtig und ich will das nie vergessen.
    Das Buch „Liebe und Respekt“ kenne ich noch nicht. Danke für den Tipp.
    Ich finde es super, dass du dich mit partnerschaftlichen Themen auseinandersetzt. Heutzutage wird nämlich meist der große Tag der Hochzeit bis ins kleinste Detail durchgeplant und die Ehe gar nicht bedacht.
    Liebste Grüße, Lena

  2. Danke :) Das Buch hat schon vielen Paaren geholfen.
    Mir ist in den letzten Monaten selbst aufgefallen, wie viele Gedanken und Arbeit der eine Tag der Hochzeit eingenommen hat und dass es das eigentlich nicht wert ist, wenn man sich währenddessen nicht auf den Lebensabschnitt danach vorbereitet. Und klar, vor so einer Entscheidung möchte ich mir noch mal über gewisse Dinge klar werden, macht man ja nicht alle Tage ;) :) Liebe Grüße!

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