ANNsichtssache

Oldie but Goldie

Ich bin fleißige Podcasthörerin. Podcasts, für alle Nicht-Digital Natives, das sind in ihrer Länge meist recht überschaubare Audio-Inputs, die oft eine Menge Lebensweisheit und Rat weitergeben. Eine super Sache, wenn man innerlich wachsen und sich zu neuen Gedanken herausfordern lassen möchte. Ganz unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Kontinenten erzählen ihren Hörern von Gott und der Welt und geben Anteil an ihrer Lebenswirklichkeit.

Auch sonst begegnen mir in letzter Zeit viele Situationen und Menschen, die mir bewusst machen, dass dieses Leben nicht immer im Study-Mode ablaufen wird, nicht so, wie es jetzt ist oder wie es war. Ich werde nicht für jung sein, immer studieren, mühelos dies und das tun können. Das Leben geht nicht spurlos an uns Menschen vorbei.

Es geht gerade ein Video herum, in dem sich ein Paar immer älter schminken lässt. Das hat mich ziemlich berührt, weil es gezeigt hat, wie die Reife eines Menschen sich in seinem Äußeren zeigen kann und dass Liebe mit den Augen des Herzens sieht und etwas in dem anderen erkennt, das für andere nicht (mehr) sichtbar ist.

alte FrauDie Tatsache, dass wir altern, stellt uns vor Fragen nach Relevanz und Konsequenzen von dem, was wir tun. Ich finde es immer wieder krass, wenn ich mir vorstelle, dass meine (bisher fiktiven) Kinder unreflektierte Verhaltensweisen von mir übernehmen könnten oder dass ich ihnen durch Unbelehrbarkeit meinerseits irgendwie Steine in den Weg lege. Die Aussicht, auf einen kleinen Teil dieser Welt einen Einfluss auszuüben und eine Vorbildfunktion zu haben, ist respekteinflößend, aber auch ein riesiges Privileg.

Und ganz egal, ob du mal Kinder haben wirst, schon welche hast oder nie welche planst oder haben kannst – was der Gedanke an die steigende Verantwortung und Reife im Leben mit uns macht, ist das eigentlich Wertvolle. Wir können bedachter leben, unbewusste Entscheidungen mal ans Licht zerren und uns ganz bewusst für oder gegen etwas entscheiden. Wir können über unsere Unzulänglichkeiten in unserer Jugend und das Stolpern beim Erwachsenwerden hinwegsehen und das alles in Gottes Hände abgeben.

Ich finde es bewundernswert, wenn Menschen nicht mehr so jung sind und dabei ausstrahlen, dass sie trotz fehlender Jugend innerlich standhaft geworden sind, äußerlich eine klare Linie verfolgen und ein waches und weiches Herz haben, das für andere offen steht.

Und ja, auch der Tatendrang und die Vorfreude der Jugend sind großartig! Aber ich möchte da hinkommen, wo ich nicht mehr frage: War das gut genug? Wer bin ich eigentlich? Und den Menschen, die dort schon angekommen sind, können wir jetzt schon unser Ohr leihen und uns gegenseitig bereichern, so wie wir gerade sind.

Ich wünsche euch schöne sonnige Pfingsten!






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