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Hochzeit im Pflegeleichtprogramm – Ein Paradoxon

Viele Studenten haben gerade einige Prüfungen hinter sich. Was für ein tolles Gefühl, so einen fetten Stein den Berg hochgerollt zu haben, nicht wahr? Jetzt muss man nur aufpassen, dass er nicht auf einen zurückrollt, weil man sich wochenlang jegliche Energie ausgequetscht hat.

Bei mir sind es gerade nicht Prüfungen, sondern Hochzeitsvorbereitungen und was damit zusammenhängt, was mich ziemlich geflasht hat. Körperlich mitgenommen hat mich mein Umzug und seelisch natürlich die vielen kleinen Dinge, an die ich denken muss und die noch vorbereitet werden müssen. Wenn man nicht mehr weiß, welche Aufgabe man als erstes machen soll (und ich studiere ja auch noch nebenher), weil alles noch so unfertig ist – und man auch noch alles mit dem Partner absprechen muss, der auch nicht immer Zeit hat – dann ist das schon so eine Sache. Und es ist unheimlich schön, wenn das grobe Gerüst wieder steht – zum Beispiel mein Schreibtisch – um sich wieder der Umsetzung von Hochzeitsdekoration, Tischordnung und Standesamtsplaylist zu widmen.

Und ich kann nun endlich, wenige Wochen vor dem großen Tag, ehrlich sagen, dass ich mich darauf freue. Wenn man so viele Monate in den Planungsprozess eingebunden ist, kann schnell mal ins Stressprogramm umgeschalten werden. Aber mir ist wichtig, die verbleibenden Details jetzt mit der nötigen Liebe und Zuwendung richtig gut zu machen. Denn auch unsere Ehe wird sicherlich viel Zuwendung und Geduld brauchen und kann nicht einfach mal schnell mit Trick 17 im Pflegeleichtprogramm gewaschen werden.

Pflegeleicht klingt trotzdem gut. Oft mache ich mir Sorgen, dass wenn es gut läuft, das nächste Tal gleich um die Ecke lauert. Das macht es mir schwer die guten Zeiten zu genießen. Habe ich das überhaupt verdient? Die Frage stelle ich mir dann. Aber inzwischen glaube ich, dass ich schwierige Zeiten nicht herbeisehnen muss, um mir das „ich habe das eh nicht verdient“-Gefühl zu bestätigen. Sie kommen von ganz allein.

chill and marry

Wichtig ist, wie ich damit umgehe. Ich bin kein Freund von der „Jetzt-kauf-dir-mal-dein-Lieblingseis-und-hau-dich-in-die-Badewanne“-Mentalität, die uns glauben machen will, wir könnten durch Äußerlichkeiten oder Konsum unser Inneres wieder heil machen. Aber nach einem heißen Bad und einer Tasse Schokokaffee, Musik und wenig „Screentime“ bin ich nun der Meinung, dass Entspannung – nach wirklicher Anspannung – dazu gehört. Was zu lange angespannt ist, steht in der Gefahr zu reißen. Und unser Körper als Tempel des Geistes Gottes ist kein Experiment für Hochleistungstechnologie – er hat Grenzen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass auch bei dir Spannung und Anspannung sich abwechseln und du ein gutes Maß von beidem beibehältst. Die Sommermonate sind toll zum Entspannen, aber man kann auch schnell neidisch auf andere werden. Ich entscheide mich jetzt bewusst dagegen und dafür, in dem Rahmen und Möglichkeiten, die mir gegeben sind, mein Leben mit Spannung und Entspannung zu umarmen. Klingt super esoterisch und huihui, dabei reicht dafür ein offenes, weites und dankbares Herz.






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