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ANNsichtssache

When Love finds a Home

 

Wenn es ein Lied in letzter Zeit geschafft hat, mich zu berühren, dann dieses: „Lay it all on me“ von Rudimental feat. Ed Sheeran. Es drückt eine tiefe Sehnsucht danach aus, einen Ort oder einen Menschen zu kennen, an dem jede Last, Maske und Sorge abgelegt werden kann. Ohne wenn und aber.

Ich kann dir deine Erfahrungen nicht ausreden. Du hast vielleicht schon einige Beziehungen hinter dir, die mal gut, mal weniger gut liefen. Ihr seid freundschaftlich auseinander gegangen oder du hast den kleinen Crash bis heute ganz gut weggesteckt. Das Leben geht weiter. Vielleicht fühlst du dich ausgenutzt von Menschen, die scheinbar nur auf der Suche nach ihrer Idealvorstellung sind. Sie scheinen dich in einen Menschen umformen zu wollen, der nach ihrer Pfeife tanzt und sie glücklich macht. Aber eigentlich wolltest du doch selbst so jemanden finden.

Du bist vielleicht ein Mensch, der in all seinen Lebensjahren gelernt hat, allein zurecht zu kommen. Es war definitiv nicht alles einfach, aber du hast den Willen entwickelt, immer wieder aufzustehen und auf die guten Dinge im Leben zu sehen. Manchmal bleibst auch du länger liegen als du eigentlich möchtest, aber diese Pausen gestehst du dir ein.

Ich weiß nicht, was du über Christen denkst, die dir erzählen, dass ein Leben mit Gott … gut ist. Ich selbst habe oft gedacht, es wäre unglaubwürdig und scheinheilig, das Leben, das ich als von Jesus geprägt ausgebe. Soll ich mir oder anderen etwas vormachen? Es wäre gelogen, wenn ich so tun würde, als wäre meine Ehe wie aus dem Bilderbuch entnommen. Wir kriegen uns in die Haare und müssen lernen uns zu versöhnen, wie andere Paare auch. Es wäre lachhaft, wenn ich behaupten würde, ich würde nicht eifersüchtig werden oder negativ über andere denken. An guten Tagen ist das vielleicht so, an anderen schlagen mir Hormone, Launen oder Schlafmangel ein Schnippchen. Sollte ich charismatischer, sympathischer, empathischer sein als andere, weil ich mich Christ nenne? Sollte mein Charakter sprühen vor Freude und meine Worte wohlgewählt immer ins Herz treffen? Wer mich kennt, weiß, dass es nicht so ist. Es gibt Tage, da möchte ich mich von mir selbst distanzieren und sagen „Ich kenn die nicht!“.

 

hypocrite

 

Paulus schreibt in 2. Korinther 12,9: Daher will ich nun mit größter Freude und mehr als alles andere meine Schwachheiten rühmen, weil dann die Kraft von Christus in mir wohnt.“ Schwäche zugeben ist nicht leicht. Darauf stolz zu sein erst recht nicht. Ich glaube auch nicht, dass Paulus meint, dass ich mich darüber freuen soll, wenn ich Mist gebaut habe. Aber wer weiß, wie es sich anfühlt, wenn man am Rand seiner Möglichkeiten und an den Abgründen seines Charakters stand, der weiß, was Rettung bedeutet. Rettung aus der Perspektiv- und Hilflosigkeit eines Lebens, das immer wieder an seine Grenzen kommt. Wenn du jung bist, kennst du viele Grenzen noch nicht. Unseren jugendlichen Übermut kann ich gut verstehen. Aber Schwachheit beginnt schon dort, wo man seinen Fokus nicht sinnvoll setzt und ständig prokrastiniert, wo man andere belügt oder sie nicht mit dem Respekt behandelt, den man sich selbst wünscht.

In uns gibt es einen Kampf – Seele gegen Geist. Das wird immer so sein. Diese Einsicht ist mir sehr wichtig. Die Seele hat ein Leben lang Zeit, um uns ein gemütliches Bett zu beziehen, in das wir uns hineinkuscheln können, welches uns gefühlt aus der Verantwortung nimmt. Doch der Geist, der gestärkt wird und durch den Geist des Christus – des „Retters“ und „Heilbringers“ – geleitet wird, der kann dagegen angehen und kann aus Schwächen Stärken machen.

Und was mich noch viel mehr berührt als die ständige Selbstoptimierung von Schwächen in Richtung Stärken … : Jesus ist Gott in Menschengestalt. Er kam – erreichbar, verletzlich, als Gegenüber – zu uns. Viele der Situationen, die wir erleben, hat er in über 30 Jahren Lebenszeit selbst erlebt. Er wusste um die Seele und ihre Macht, aber er hat ganz aus Gottes Geist gelebt. Dieser Jesus, dieser Gott möchte nicht dein Opfer der Selbstverbesserung. In seiner Gegenwart wird mir immer neu bewusst: er möchte nur dich, nur mich. Unser Sein, alles was dazu gehört. Er möchte eine tiefe Freundschaft. Und: seine Liebe ist nicht abhängig von meinem Tun ihm gegenüber. Das ist das krasseste, was mir bewusst geworden ist. Ich kann in Schuldgefühlen versinken, mir eine Burg an Selbsterklärung aufbauen und mich von Gott abschotten. Aber wenn ich seine Liebe zulasse, dann überflutet sie alles mit einer Wucht an Annahme und Aufmerksamkeit, die kein einziger Mensch je aufbringen könnte.

Es ist so merkwürdig, dass man vergessen kann, was Heimat ist.






2 Comments

  1. Hey Anne,
    mir gehts auch so. Ab und zu erkenn ich mich nicht wieder.
    Gut, dass Gott so voller Gnade ist. Und er mich bedingungslos liebt!
    Liebste Grüße und viel Erfolg bei der Abschlussarbeit.
    Lena

    1. Absolut. Wahrscheinlich ist es besonders für Frauen oft so … hach. Aber Gott weiß schon, warum er uns so geschaffen hat :) :D
      Danke, dir auch weiterhin! glg, Anne

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