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#bewusst produktiv: Neid und seine Alternativen

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Neid. Ein Gefühl, das mehrere Menschen gleichzeitig vergiften kann. Da gibt es jemanden, der unzufrieden ist mit seiner Situation. Oder er ist zufrieden, aber plötzlich sieht oder bemerkt er etwas: Da gibt es jemanden, dem geht es besser! Der ist erfolgreicher, schneller, begünstigter, wohlhabender, … und genau dieser Gedankenschluss führt dazu, dass der Neider unzufrieden wird oder sich in seiner schon vorhandenen Unzufriedenheit bestätigt fühlt. Die Destruktivität dieses Gefühls breitet sich aus, wenn dieser Mensch es den Beneideten spüren lässt, ihn nicht mehr beachtet, seine Handlungen ständig hinterfragt, die Neidbereiche in Gesprächen weitläufig umgeht. Und zuletzt kann es sein, dass noch Dritte hinzugezogen werden, um zu bestätigen: Ja, dieser Mensch ist tatsächlich zu beneiden. Er ist wirklich unrechtmäßig zu Erfolg o.ä. gekommen.

Bah.

Man sollte meinen, das Neidverhalten könnte man im Jugendalter ablegen. Schließlich merken wir dann, dass jeder sich für seine Leistungen anstrengen muss, dass jeder unterschiedliche Begabungen hat und dass man sich sein Umfeld nicht immer aussuchen kann. Also warum jemandem daraus einen Strick drehen? Leider löst sich Neid aber nicht auf, wenn wir das Alter von „Mama, warum hat die Marie die Puppe und ich nicht?!“ überschritten haben.

Wenn ich mir das Leben von Jesus ansehe, dann finde ich da keinen Platz für Neid. Er ist in den in der Bibel beschriebenen Situationen so souverän. Er weiß, was er hat und wer er ist. Seine Attitüde und seine Logik basieren auf einer maßlosen Fülle. Vielleicht kennt ihr die Geschichte, bei der er für tausende Menschen wenige Brote und Fische vermehrt oder das Gleichnis, in dem er seinen Nachfolgern beibringen will: Wenn die Vögel nicht säen und ernten und trotzdem versorgt sind, warum sollte sich euer Vater im Himmel dann nicht um euch kümmern?

Hinter Neid stehen Gedanken wie:

  • Ich bin die Person, die immer benachteiligt wird, ohne Grund dafür zu geben.“
  • Das Leben von anderen, die Erfolg haben, verläuft ohne Umwege und ohne Schwierigkeiten.“
  • Ich muss von jetzt auch gleich in genau dem Bereich Erfolg haben, in dem ich es mir wünsche.“
  • Andere müssen nicht so viel tun, wie ich, weil sie mehr Unterstützung bekommen.“
  • Ich will das, was die Person hat, schon viel länger und stärker und uneigennütziger als sie. Sie hat es und weiß es gar nicht so sehr zu schätzen.“

etc.

Wow.

1. Es wird klar: Es geht um zwei Personen. Den Neider und den Beneideten. Der Beneidete hat grundlegend bessere Voraussetzungen als der Neider, d.h. alle Aussagen des Neiders werden aufgrund von Mangelgefühlen getroffen. Worauf basiert die Annahme, dass du nicht wert genug bist oder zu wenig hast? Sind es Fakten oder hält dich diese Einstellung schon so lang davon ab Dinge zielstrebig zu verfolgen, dass du denkst, es sei dir in die Wiege gelegt worden?

 

2. Der Neider geht davon aus, dass der andere den absoluten Traum lebt. Wenn ich jemanden beneide, dann sehe ich auf das Image der Person, seine offensichtliche Präsenz und Erfolge. Jetzt muss sich die Frage teilen – zum Einen: Ist es ein Traumleben, wenn man nicht für etwas arbeiten muss? Zum Anderen: Was ist ein Traumleben überhaupt und warum denkst du, es gibt nur diesen einen Traum? Wenn du in dem Bereich nicht erfolgreich bist, dann probiere es vielleicht in einem anderen. Es gibt viele Leute, die sind in einem Lebensbereich erfolgreich und im anderen nicht. Niemand muss eine schillernde Persönlichkeit sein, um in einer Sache gut zu werden.

 

3. Als Neider sieht man die Spitze des Eisberges, den sichtbaren Erfolg des anderen. Wir sehen nicht die Jahre der Mühe, des Suchens, des Ausprobierens. Oder wir sehen den Weg, den jemand gegangen ist und gönnen ihm den Erfolg nicht, dass er auf dieser Welle schwimmt, auf der er nicht untergehen kann. Wer sind wir, dass wir die Qualität der Arbeit oder des Einsatzes anderer beurteilen wollen? Haben wir in ihrer Haut gesteckt? Müssen wir mit den täglichen Herausforderungen seiner Position und den Konsequenzen dieser leben? Es gibt Menschen, die werden stark gefördert. Wenn dabei etwas Gutes herauskommt, sollten wir uns freuen! Die Mitfreude und das Gönnen-Können sind Zeichen davon, dass es uns mehr um die gute Sache geht als um die Belohnung.

 

4. Schließlich gibt es die Fragen nach der Intention des Beneideten. Wenn er etwas aus egoistischen Gründen tut, sich in Graubereiche begibt oder undankbar ist für seinen Erfolg, dann ist das seine Sache, mit der er leben muss. Das eigene Gewissen kann stark sein. Aber es ist nicht unsere Aufgabe, jemanden zu beneiden, der offensichtlich nicht aufrichtig lebt und arbeitet. Warum damit aufhalten? Sich mit schlechten Vorbildern, die aber erfolgreich sind, zu beschäftigen, raubt uns die Zeit, um etwas Gutes und Aufrichtiges umzusetzen. Muss ich auf Fehlersuche bei anderen gehen und mir damit Zeit und Kraft stehlen?

 

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Was können wir also praktisch tun, um Neid zu bekämpfen?

1. Ich tue der Person, die ich beneide, aktiv etwas Gutes. Damit baue ich eine positive Verbindung auf – sie muss nicht mal erwidert werden, aber ich weiß: Ich bin ihr gegenüber positiv eingestellt, ich möchte ihr Bestes.

 

2. Ich rede gut über sie. Mit den ausgesprochenen Worten gehen die Aussagen in das eigene Gehör und in das eines anderen. Wenn er bemerkt: Hey, du hast doch gesagt, du findest xy gut. Warum verhältst du dich ihr gegenüber jetzt so blöd? – Dann ist das eine Rechenschaftsverbindung. Außerdem wird das gute Bild des anderen weitergegeben und wirkt so auch anderweitig als Prävention gegen Neid.

 

3. Ich bete für die Person. Wenn mir Fehler und falsche Absichten bei ihr auffallen, dann gebe ich sie an Gott ab. Bevor sie mich länger pieksen, lasse ich die Gedanken darüber los. Ich bitte Gott, dass er die Person weise macht, um damit gut umzugehen. Ich segne sie für ihren Umgang mit ihrem Erfolg, mit dem, was sie hat, das ich gern hätte. Eigentlich kann ich Gott alles abgeben, was mich irgendwie in dem Neidgespinnst der Person gegenüber festhält.

 

4. Ich lerne von dem Menschen, den ich beneide. Oft hat er mir viel voraus, das ich erst über einen längeren Zeitraum lernen muss. Oder es sind Charaktereigenschaften, die mir fehlen und die ich integrieren kann. Lernen heißt nicht unbedingt nachmachen, jeder Mensch hat seinen eigenen Lebensweg. Aber es ist gut sich inspirieren zu lassen und zu schauen, was zur eigenen Person passt. Dazu passend finde ich das Gleichnis aus der Bibel, in dem ein Herr seinen Knechten unterschiedliche Mengen an Talenten zuordnet, bevor er weggeht. Jeder soll aus dem, was er bekommen hat, das Bestmögliche herausholen. Und der Herr ist von dem enttäuscht, der es vergraben hat. (Die Geschichte könnt ihr in Matthäus 25,14-30 nachlesen.)

 

5. Ich werde selbst aktiv und nutze meine Chancen. Ja, es gibt Zeiten, da gibt es fast 0 Chancen für ein bestimmtes Ziel, das man sich wünscht. Diese Durststrecken sind nicht immer schön, aber sie können uns in anderen Bereichen wachsen lassen. Und dann gibt es sie plötzlich, die Ideen, Impulse oder Möglichkeiten von außen, die wir verfolgen und ergreifen dürfen. Und das ist doch so viel wertvoller, als diese Zeit mit Neid zu verbringen!

 

Ich möchte lernen, von Herzen gönnen zu können. Wie geht es dir damit? Das Bild mit dem Spruch „It’s your job to love and God’s job to provide.“ habe ich gemalt, um mich immer wieder daran zu erinnern, dass es nicht meine einzig und alleine Aufgabe ist, dass es mir gut geht. Meine Aufgabe ist zu lieben und da habe ich noch viel Nachholbedarf. Gott ist der Versorger, das verspricht er.

 

PS: Vor Kurzem hat die Autorin, Coachin, YouTuberin … Annika Bühnemann ein sehr gutes Video zum Thema Neid hochgeladen. Schaut doch mal rein!

PPS: Ich bin seit Kurzem mit meinem Blog auch auf Facebook mit Zwischendurchinspirationen. Freue mich über einen Like oder Kommentar. :)

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2 Comments

  1. Liebe Anne,
    du malst unglaublich schön! Das musste erstmal gesagt werden. :)
    Ich mag deine Posts so sehr, weil se immer praktisch sind und wertvolle Tipps geben.
    Was das Thema Neid angeht, find ich es klasse darüber zu reden. Sicherlich ist jeder auf seine Art und Weise damit konfrontiert, wenn auch nicht immer so ausgeprägt. Ich finde gerade unter uns Bloggern ist es schön, wenn wir einander unterstützen und ermutigen. Es ist doch viel schönen einander Wertschätzung zu vermitteln und sich mit dem Anderen zu freuen. Ich hab jetzt zum Beispiel auch eine kleine Leseecke eingerichtet und andere wertvolle Blogs verlinkt. Du bist da übrigens auch ;)
    Ich bin zwar nicht bei facebook aber ich schau mir mal deine Seite da an, falls sie öffentlich ist!
    Liebste Grüße und mach bitte weiter so,
    Lena

  2. Liebe Lena,
    du glaubst nicht, wie ermutigend dein Lob für mich gerade ist! Es gibt immer mal Momente, in denen ich an dem Bloggen zweifle und die Ermutigung von Leuten wie dir baut mich sehr auf. Danke dafür! Ich finde deine Posts auch immer wieder so erfrischend und inspirierend und freue mich, dass wir uns gegenseitig motivieren und voneinander lernen können! :) Danke auch für die Verlinkung. :)
    Alles Liebe, Anne

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