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Gedankentauchen: Unsere Mütter – Spiegel- und Vorbild?

 

Muttertag

 

Von Rosa Park stammt das Zitat „Each person must live their life as a model for others.“ Und wem sonst steht es mehr zu, solch eine These aufzustellen, als einem gesellschaftsbewegenden Vorbild? Wenn ich ehrlich bin, fehlen mir gute Vorbilder in manchen Lebensbereichen. Unsere Welt ist voll von interessanten Geschichten und erfolgreichen Karrieren. Aber Vorbilder, das sind meiner Meinung nach die Menschen, die wir wachsen sehen, die vor uns umknicken und sich wieder aufrappeln. Der Umgang der Menschen, die uns nahestehen, mit ihren Erfolgen und Misserfolgen, ihre Priorisierung von Lebensaufgaben – das hat für mich Vorbildfunktion.

Ich persönlich kann viel aus Blogs lernen, die mir zeigen, wie man Werte aktiv leben kann. Manchmal ist mir meine kleine „Bubble“ zu klein und ein Blick auf andere Lebensweisen gibt mir die Aha-Momente, die mich aktivieren, Dinge auszuprobieren. Nach dem Motto „Er oder sie hat es hinbekommen, jetzt gehe ich es auch an.“ Aber das ist nur ein kleiner Ansatz. Richtig intensiven Einfluss haben die Eltern auf die aufwachsenden Kinder – je älter ich geworden bin, desto mehr fallen mir nicht nur äußerliche Ähnlichkeiten auf (darüber habe ich schon als Kind spekuliert), sondern auch die charakterlichen Stärken und Schwächen, die sich mit denen der Elternteile decken. Ich weiß nicht, wie es dir damit geht, aber ich besitze ein großes Talent dafür, mir nahestehende Menschen zu hinterfragen und ich könnte sofort mehrere ihrer Schwächen aufzählen, wenn man mich fragen würde. Gleichzeitig muss ich einen Großteil dieser Schwächen auch bei mir selbst ankreiden. Und das ist wohl auch das größte Problem.

 

Da wir uns in dieser Woche auf den Muttertag zubewegen, möchte ich heute den Fokus auf die Frau legen, die mich am meisten geprägt hat und die meine Schwächen am meisten spiegelt. Nein, sie spiegelt sie nicht einfach – sie ist mir meistens einen Schritt voraus. Weil ich als Kind und Jugendliche viele Dinge von ihr gelernt habe, die in ihrem Leben heute wiederum als überholt gelten. Es ist für uns ein lebenslanger Prozess, die gegenseitigen Stärken anzuerkennen, sich in Oppositionen zu vertragen und Ähnlichkeiten nicht als schlecht zu betiteln.

Versöhnung statt Abgrenzung ist ein gutes Rezept, um sich in diesem Bereich freizuschwimmen. Unsere Mütter können uns, böse ausgedrückt, als abschreckende Vorbilder dienen, wenn sie Fehler machen, zu denen wir ebenfalls geneigt wären. Sich von diesem Verhalten abzugrenzen, finde ich gesund. Von dem Menschen aber nicht – weil wir uns gegenseitig besonders in unseren Fehlentscheidungen brauchen. Neben den negativen Aspekten schenken uns unsere Mütter, wenn sie ihrer Mutteraufgabe nachkommen, den Zuspruch und Rat, den uns kaum ein anderer Mensch geben kann. Es gibt vieles, und das ist jetzt sicher nichts Neues, das ich vor einigen Jahren noch nicht ernst genommen hätte, in das ich jetzt hineingewachsen bin – auch mit dem Blick für die Sichtweise meiner Mutter. Insofern finde ich es gut, wenn Mütter nicht aufhören ihre angelernte Weisheit weiterzugeben, aber sanft, in dem Wissen, dass ihr Kind es wahrscheinlich erst um einiges später verstehen wird. Das Bewusstsein, dass die Mutter recht hatte und es gut mit uns gemeint hat, zahlt sich aus – mit nachträglichem Vertrauen und Dankbarkeit, wenn man es zulässt.

 

Zur Veranschaulichung habe ich ein paar Lektionen gesammelt, die mir meine Mutter direkt oder indirekt durch ihr Verhalten oder ihre Worte vermittelt hat. Für die ich sehr dankbar bin. Und ich möchte dich herausfordern, dir in dieser Woche bewusst Gedanken darüber zu machen, wofür du deiner Mutter dankbar bist. Denn wie gesagt – mir fällt es sehr viel leichter, das Negative anzukreiden und auch anzusprechen. Aber wenn wir diese Punkte so betonen, betonen wir sie nicht auch indirekt in uns selbst und verhindern so unsere Selbstannahme – wenn wir uns doch in so manchem ähneln? Zumal der Stolz der eigenen Mutter – und des Vaters – auf uns, uns doch auch ziemlich nah gehen kann, nicht wahr? Sollten wir dann nicht auch stolz auf sie sein?

 

Muttertag2

Hier also die Praxis:

  • Für einen Haushalt muss man sorgen und ja, es fällt auf, wenn man es nicht macht. Leben ist nicht nur Party und Konfetti, das muss man danach auch wieder aufsaugen.
  • Man kann auch mit kleinem Budget gesund leben und einen Fokus setzen. Es muss nicht immer eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio sein, die fit hält. Meine Mutter läuft wahnsinnig viel und wuselt von x nach y und ich bin stolz darauf, wie sie durch die fehlende Faulheit auch ohne bewussten Sport fit bleibt.
  • Freundschaften bedeuten Teilen. Zeit, Energie, Zuhören, Telefonkosten, Kuchen. Und Freundschaften auf die Ferne benötigen dieses Teilen ebenso, auch wenn es nur lange, regelmäßige Telefonate sind.
  • Es ist möglich über sich und seine Ängste hinauszuwachsen. Kurz bevor meine Mutter 50 wurde, hat sie ihren Führerschein gemacht. Ich finde das bewundernswert. Zumal sie es nicht getan hat, um sich oder anderen etwas zu beweisen, sondern um alten Leuten mit ihren Einkäufen helfen zu können.
  • Wenn Dinge anders kommen als geplant, kann man Neues lernen und sich einarbeiten. Man kann Hobbys und Arbeitsgewohnheiten auch mal für eine gewisse Zeit pausieren und dann wieder aufnehmen. Wenn ich mir das Leben meiner Mutter ansehe, dann merke ich, dass es nicht nötig ist, alle Vorhaben in die zehn Jahre zwischen der 20 und 30 zu quetschen.
  • Gott enttäuscht unser Vertrauen in ihn nicht. Er trägt durch, wenn es schwer wird, er schenkt Antworten, aber nicht immer sofort. Ich habe von meiner Mutter gelernt, dass es manchmal geduldiges Warten und Beten braucht, das inständige Bitten und Suchen um und nach Antworten. Und letztlich die Bereitschaft, Gott das Ruder zu übergeben und von ihm überrascht zu werden, ja, auch im Guten.

Das sind ein paar Beispiele für die Vorbildfunktion meiner Mutter. Und während ich gebrainstormt habe, was ich von ihr lernen durfte, fielen mir auch Punkte ein, die ich anders machen würde oder die ich neu in meine eigene Familie bzw. mein Leben integrieren möchte. Wenn ich mal Mutter werden sollte, möchte ich auch gern ein Vorbild sein. Aber eigentlich auch nicht erst dann.

 

Was möchtest du deinen Kindern oder deinem Umfeld mitgeben, das du gelernt hast? Was konntest du von deiner Mutter, deiner Familie, deinen Vorbildern mitnehmen? Vielleicht ist der Muttertag für dich ja ein Zeitpunkt, an dem du das auch mal zum Ausdruck bringen kannst. Ich habe gehört, dass Blumen und Karten mit persönlichen Worten immer noch sehr gern gesehen sind … :)

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