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Baustelle Unsicherheit: Ein Mind Shift

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Ich möchte heute ein Thema ansprechen, das mir zum einen unangenehm ist, zum anderen aber sehr wichtig. Ein Thema, das mich viele Jahre begleitet hat, obwohl ich mein Abitur mit 1 Komma … abgeschlossen, bald meinen Master in der Tasche und einen Mann an meiner Seite habe.

Unsicherheit.

Sie begann mit ganz alltäglichen Problemen in der frühen Jugendzeit – ich fühlte mich nicht schön genug, nicht sehr redegewandt, meine Stimme war zu leise und meine Körpersprache hat mir nicht weitergeholfen. Verschiedene äußere Umstände und schon habe ich mich gedanklich in meine Schublade zurückgezogen. Ich wusste nicht, woraus ich meinen Wert ziehen sollte und war extrem misstrauisch, wenn mir jemand Fremdes Komplimente machte. Ich kannte mich ja besser – und mein Umfeld auch. Von Eltern und Freunden waren Komplimente trotzdem nur halb so viel wert, weil sie mich ja nicht objektiv beurteilen konnten. Einmal bekam ich mit, wie eine Freundin meiner Mutter ihr mit Blick auf mich erzählte, dass ein Mann mal eine „hässliche“, in sich gekehrte Frau geheiratet und geliebt hat und sie unter dieser Liebe aufblühte. Solche Kommentare waren sicher lieb gemeint und heute habe ich das Gefühl, sie haben sich ein Stück weit bewahrheitet, aber sie haben meinem Selbstbewusstsein definitiv nicht aufgeholfen. Das Gedankenkarussell lief wie geschmiert.

Ein entscheidendes Puzzleteil zur Lösung fand ich nun in einer ganz normalen Alltagsepisode. Ich war schlaftrunken und surfte nach turbulenten Träumen der Nacht auf der Facebookwelle. Mich haben plötzlich einige Fragen beschäftigt, die mit Gott und meinem Glauben zusammenhingen. Durch verschiedene Vorträge, die ich mir in der letzten Woche bei der Awesome People Conference angeschaut habe, bin ich sehr ins Nachdenken über Veränderung und Selbstsicherheit gekommen. Auch, inwiefern mich mein Glaube in genau diesem Bereich trägt.

Denn bisher habe ich dieses Tragen, ehrlich gesagt, kaum gespürt.

Noch im Halbschlaf hämmerte ich all meine Fragen in mein Tablet und mein Facebookfreund, der noch eine Nachricht vom Vortag beantwortet hatte, ging auf meine Zweifel ein. Es waren nicht viele Worte, die mich dazu gebracht haben, eine Veränderung zu fühlen. Aber es waren treffende Worte.

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Gott ist unser Papa. So dürfen wir ihn ansprechen.“

„Für mich geht das aber mit meinem Gottesbild nicht zusammen, wenn Gott so ernsthaft ist und gleichzeitig liebevoll!“

Renn ihm in die Arme, stell dir vor, er hält sie für dich auf. Dann verstehst du, wie dein Papa ist.“

„Aber was ist, wenn mich Dinge von ihm trennen, die ich falsch gemacht habe? Wie kann ich mich so lieben, dass ich nicht egoistisch bin, aber mich so sehe, wie Gott mich sieht? Ich habe das Gefühl, dass meine Fehler nie wirklich weg sind!

Sie sind weg, im tiefsten Meer. Kannst du da hineinschauen und noch etwas erkennen?“ (Referenz zu Micha 7,19: „Ja, der Herr wird wieder Erbarmen mit uns haben und unsere Schuld auslöschen. Er wirft unsere Sünden ins tiefste Meer.“)

Ich kann dir nicht logisch erklären, was da in mir passiert ist. Aber es war, als würde jemand eine Lampe in einer dunklen Kajüte anschalten, als mir eine Verbindung bewusst wurde:

Wer sich schuldig fühlt, schämt sich und ist unsicher.

Ein Weg damit umzugehen ist, sich vor seiner eigenen Fehlerhaftigkeit zu verstecken, sich zu limitieren und auf alte Fehler zu berufen.

Wer denkt, der andere würde ihm insgeheim die Fehler noch vorhalten, ist nicht völlig frei.

Und weiter:

Wenn ich mir meine Fehler, meine Schwächen, die Dinge an mir, die ich einfach nicht mag, im Gegenzug auch immer nachtrage, schleppe ich dieses Päckchen mit mir herum. Und das ist schwer, belastend und eine ständige Erinnerung.

Dieser Moment war wie ein Aufatmen.

Und die Dankbarkeit für diese Gedanken hat mich dazu gebracht, einen fundamentalen Grund dafür zu erkennen, warum Christen Jesus so sehr für seinen Tod loben. Meine Beobachtung sagt mir aus dieser Erkenntnis und dem, was in der Bibel steht: Jesus starb und wurde wieder lebendig und er sagt, dass er das Leben ist und die Wahrheit, die wirklich frei macht. Warum sagt er das? Ist das Hochstaplerei? Aus meiner jetzigen Perspektive sehe ich, dass die Erkenntnis, dass ich absichtlich sündig bin (das heißt, von Gottes Ideal abweiche, natürlich) ganz essentiell ist, um Freiheit in Jesus zu verstehen.

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Es bringt mir auf lange Sicht nichts, wenn ich meine Sünden ausblende. Ich halte deshalb nicht so viel von reiner Gedankenfreiheit im Sinne von Leere im Kopf. Es klingt total verlockend, einfach aus den Augen, aus dem Sinn! Mich hat meine Erinnerung an mein „Ich von gestern“ aber immer wieder gehemmt. Statt also mir und anderen nicht zu vergeben und mir nicht vergeben zu lassen, lege ich den Ballast am Kreuz ab, vor dem Gott, der Urteile sprechen kann, und kann jeden Tag neu beginnen. Ich vermute, deshalb ist der Katholischen Kirche die Beichte so wichtig. Und wahrscheinlich meint Paulus die Selbstvergebung und Vergebung durch Jesus, wenn er von dem neuen Mindset redet:

Brüder, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eins aber tue ich: Was hinter mir ist, vergesse ich, nach dem aber, was vor mir ist, strecke ich mich aus.“ (Philipper 3,13)

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Und ganz ehrlich, Leute, Paulus war ein Mörder.

Wenn ihn seine Taten nicht eingeholt haben, dann weiß ich auch nicht. Er musste sich entscheiden, nach vorn zu sehen und die Vergebung von Jesus anzunehmen. Sonst hätte ihn das wahrscheinlich sein Leben lang gehemmt und er hätte nicht so kühn von Gott erzählen können.

Ich stehe jetzt jeden Tag vor der Frage: Vertraue ich mir oder meinem Papa? Sind die Gedanken, die mich festnageln wollen, wahr oder die Versprechen der Bibel? Das Vertrauen führt dazu, dass ich frei werde zur Umkehr, zur Veränderung. Und frei dazu, anderen zu vergeben. Jesus kommentierte mal den Vorfall, dass eine Prostituierte in ein Essen platzte und ihm die Füße mit teurem Salböl wusch: Ihr sind viele Sünden vergeben, denn sie hat viel geliebt; welchem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.“ (Lukas 7,47)

Wie gehst du mit Altlasten und Vergebung um?

Ich wünsche dir einen super gesunden Umgang damit!

Klecks Anne

4 Comments

  1. Liebe Anne,
    so eine schöne Erfahrung, die du gemacht hast. Und wie wertvoll die Antworten von deinem Bekannten. Es tut gut Freunde zu haben mit denen man sich so tief unterhalten kann. Das ist gar nicht selbstverständlich.
    Ich freue mich, dass wir beide den selben Papa haben, der uns mit offenen Armen empfängt!!!
    Liebste Grüße, lena

  2. Liebe Anne,
    ich freue mich so für dich, dass du diese Erkenntnis haben durftest! Es ist echt das Beste, wenn wir unsere Sünden und Fehler zu Jesus bringen und sie dort ablegen dürfen. Jedesmal, wenn ich das mache, ärgere ich mich über mich selbst, dass ich das nicht schon eher gemacht habe! :) Es ist so ein gutes Gefühl, Schuld zu bekennen. Was mir hilft, ist das Wissen, dass die Erlösung für meine Sünden schon da ist – ich muss sie nur in Anspruch nehmen!
    Ich mag deine Zeichungen! Sehr anschaulich! :)

    1. Das stimmt! :o) Ich hoffe, dass ich diese Erfahrung mein Leben lang mache und es nicht irgendwann als selbstverständlich abtue.
      Haha :D die Strichmännel – danke, das freut mich natürlich, wenn sie anschaulich sind. Grüßel!

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