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ANNsichtssache

Geschafft? Wenn ein Lebensabschnitt vorbeigeht!

geschafft

Die EM ist vorbei und damit ein Kampf um einen heißbegehrten Titel in einer Profession, in der sich die Spieler als hervorragend auszeichnen wollen. Sie bemühen sich darum, besser zu werden, nehmen Kritik an und setzen sie um. Sie verzeichnen Verletzungen und müssen die Geduld aufbringen, sie verheilen zu lassen.

Jetzt, wo der Wettbewerb vorbei ist, frage ich mich, was davon bleiben wird. Nicht dass mich Fußball so sehr interessiert. Ich habe die EM mal mehr, mal weniger aufmerksam verfolgt und mich von den Künsten der Spieler faszinieren und emotional bewegen lassen. Ich sehe meine Frage aber eher im übertragenen Sinn: Was bleibt, wenn ein großes Ziel erreicht ist? Ein Ziel, das viele Monate, vielleicht sogar Jahre beim Gedanken daran sowohl Druck als auch Freudentaumel ausgelöst hat?


In meinem Fall ist es nun offiziell: Meine Abschlussarbeit ist gedruckt und abgegeben. Ich habe das Kapitel Studium für mich abgeschlossen. Es war eine unglaublich wertvolle Zeit, mit Lektionen im persönlichen, sozialen, intellektuellen und spirituellen Bereich meines Lebens – ein großes Ganzes, das mich sehr stark geformt hat. So sehr, wie zuvor keine andere Erfahrung. Ich blicke mit Dankbarkeit, Faszination, aber auch Reue und nachträglichem „Ich weiß es jetzt besser“-Blick zurück. Ich muss mir selbst zugestehen, dass viele Routinen, mein Umgang mit Menschen und Situationen und die Erkenntnisse nur Stückwerk waren und mich und andere nicht selten gegen die Wand gefahren haben.

so busy doing life

Angefangen bei dem starken Leistungsdenken, das mich dazu gebracht hat, häufig unter Druck zu arbeiten, statt mir Zeit für Langsamkeit zu lassen. Verlustängste, weil ich nichts verpassen wollte und manchmal zu viel von anderen erwartet habe – dadurch habe ich vielleicht am meisten verpasst. Im Nachhinein würde ich gerne Dinge mehr für ihren Prozess lieben, mich mehr hineingeben und mutiger sein. Mir wäre es so gern egal, was andere über mich gedacht haben und ob sie meine Meinung, meine Stimme hören wollten. Ich hätte gern mehr los- und mehr Gelassenheit zugelassen. Mehr den rohen Alltag für bare Münze genommen statt nur zu träumen und Dinge überzubewerten. Lieben, ganz praktisch, ganz selbstlos …

Das sind die Dinge, die ich im Nachhinein sehe. Suchte ich einen Tag in den letzten sechs Jahren heraus und würde mich fragen, was mein Ziel und Sinn ist, dann würde die Aussage sich vermutlich von denen der anderen Tage unterscheiden. Der innere Prozess war ein Begleiter und dafür bin ich dankbar.

Ich habe mal einen Absolventen an der Uni getroffen, der gerade seine Abschlussarbeit abgegeben hatte. Als er das Gebäude verließ, erzählte er den Leuten um sich herum jubelnd, dass er es nun geschafft habe! Ich musste darüber schmunzeln. Geschafft. Das ist ein großes Wort. – Ein Lebensabschnitt ist abgeschlossen, das ist schon mehr als ein Wort. Aber wirklich fertig, das sind wir dadurch nicht.

Für uns bleibt die Erinnerung und was wir daraus lernen und mitnehmen können. Die Menschen, die wir über den Stempel, den wir verlieren, hinüberretten können in einen neuen Lebensabschnitt. Die Weisheiten, die uns wirklich frei gemacht haben und mit denen wir auch in Zukunft die Lügen demaskieren können, die uns unsere Seele, unsere Gefühle und manch anderer Mensch auftischt. Ich wünsche mir, dass ich mir eine Identität in den neuen Lebensabschnitt mitnehme, die sich tief auf dem gründet, was Gott über mich sagt. Dass ich lerne, mit meiner Abschlussarbeit auch meine Selbstzweifel abzugeben und den Prozess zu beginnen, mir meiner Schwächen und Stärken durchgängig bewusst zu werden.

Ich wünsche mir, dass ich meine Stärken einsetzen lerne, wo sie gebraucht werden. Dass ich zulasse, dass Gott meinen verletzlichen Schwachpunkten begegnet. Ich wünsche mir, dass ich die Offenheit behalte, die die Studienzeit so auszeichnet: gegenüber Menschen, die anders sind als ich, Themen, die im ersten Moment nicht zu meinen Spezialgebieten gehören und gegenüber neuen Lebensperspektiven, die sich Tag für Tag durch Umsetzung kleiner Übungen eröffnen.

Bist du gerade an einem ähnlichen Punkt? Oder hast du diese Umschwünge schon erlebt? Mich würde sehr interessieren, wie du damit umgehst und was du aus den zurückgelassenen Lebensabschnitten lernen konntest.

Klecks Anne

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