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ANNsichtssache

6 x Gelassenheit lernen

 

[Passend zum heutigen Post macht mir die Schriftart einen Strich durch die Rechnung. Aber ich bleib mal gelassen und hoffe, ihr blickt trotzdem gut durch. :) Ansonsten gibt’s den Artikel in besserer Formatierung auf meiner Zweithomepage.]

Gelassenheit.

Als Kind saß ich gern auf den Holzdielen unserer kleinen Küche und schaute verträumt in den Ofen. (Mh, jetzt fällt mir der Spruch mit dem „in die Röhre schauen“ ein, der ist natürlich eher negativ behaftet. ;) )

Unser Ofen erleuchtete jedenfalls die Küche im Dämmerlicht des Abends mit einem warmen Licht und verströmte Duft und Wärme. Für mich bedeutete das damals Geborgenheit, weil meine Mutter ein Brot für uns backte oder einen leckeren Kuchen – auf jeden Fall irgendwie gefühlt alles unter Kontrolle hatte und für mich sorgte.

Heute würde ich das Wort Geborgenheit eher mit Gelassenheit übersetzen. Geborgen sein ist eine passive Einstellung, die auf gewisse Weise eine Voraussetzung für Gelassenheit darstellen kann. Gelassenheit ist wiederum eine aktive Entscheidung oder ein Zustand, in den man sich willentlich hinein begibt.


Ich möchte mit dem heutigen Artikel nicht auf die Weltprobleme anspielen, die zu fehlender Gelassenheit führen können. In meinem Leben gibt es genug andere Dinge, die mir die Gelassenheit rauben wollen: Streit, Stress, Krankheit, Missverständnisse, Einsamkeit oder die fehlende Perspektive auf die Zukunft.

Und genau diese Bereiche, in denen Gelassenheit ausbleiben kann, sind für mich auch Ankerpunkte, an denen sie ausgerichtet werden kann. Heute möchte ich mit euch mal die einzelnen Bereiche genauer ansehen: Wie geht Gelassenheit verloren und wie kann sie zurückgewonnen werden?


Streit und Gelassenheit

1. STREIT

Ist es wichtig, dass ich diese Auseinandersetzung gewinne? Gibt es in Kommunikation überhaupt einen „Gewinner“? Wenn ich von dem Verlustdenken beim Streiten wegkomme und bereit bin, einzustecken, wie Jesus es gepredigt hat, kehrt auch mehr Gelassenheit ein. Der andere muss nicht unbedingt durch mich von seinem „Fehldenken“ bekehrt werden – oder liege am Ende ich selbst falsch?


 

Stress und Gelassenheit

2. STRESS

Stress ist wahrscheinlich Gelassenheitskiller Nummer Eins und, wie ich feststellen muss, nicht selten von den eigenen Gedanken gesteuert. Je mehr sich ein Mensch kennenlernt, desto mehr kann er auch seine eigene Stresstoleranz erkennen. Wer das einfach ignoriert und in seinem Kopf ganze Gedankenfestungen des „Ich muss das alles schaffen!“ aufbaut, der braucht meist auch wieder einiges an Zeit, um dieses Denken abzubauen und zu ersetzen. Ich weiß, wovon ich spreche.

Und Stress, das ist leider immer wieder der Fall, schleicht sich auch in das Glaubensleben von manchem Christen ein. Obwohl Luther uns verklickern wollte – Sola gratia, errettet nur durch Gnade – kann das Privileg, für Gott zu leben und seine Gaben einzusetzen einen Druck aufbauen, der die eigene Person und ihre Bedürfnisse einfach ausschließt.

Gibt es eine Lösung dafür? Ich glaube Gespräche, immer wieder, mit Gott – kleine Statusupdates und Fragen – helfen, Gelassenheit zu entwickeln und Energie zu tanken. Pausen machen, sich Gottes Wort aussetzen und eine Wahrheit verinnerlichen (neulich auf www.desiringgod.org gelesen):

Beware of loving God more for what he does through you than for what he does for you.“

Was Gott für uns tut, ist so viel mehr, als was wir für ihn „leisten“ können oder er durch uns tut. Und dann gibt es ja noch diesen Spruch: „Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.“ (Sprüche 127,1)


 

Krankheit und Gelassenheit

3. KRANKHEIT

Das ist ein Punkt, der theoretisch einfach zu besprechen ist, aber praktisch? Es kann so aufreibend, beunruhigend und ungewohnt sein, wenn Krankheitssymptome sich nicht bessern und die normale Routine nicht weitergeführt werden kann.

Gelassenheit entsteht hier vor allem aus der tiefen Hoffnung, dass Gott es gut mit uns meint. Ich hoffe an diesen Tagen, dass mir diese Zeiten das Wichtige im Leben bewusst machen und mich näher an Gottes Herz führen, mir mehr Empathie für andere Menschen verleihen. Hoffnung über den Tod hinaus, das bringt wirkliche Gelassenheit. Wow. Das brauchen wir alle irgendwann. Oder?


 

Missverständnisse und Gelassenheit

4. MISSVERSTÄNDNISSE

Über das Thema Missverständnisse ist gerade ein Artikel von mir in der DRAN NEXT erschienen. Da geht’s ein bisschen tiefer, was die Ursachen und den Umgang damit betrifft. Gelassenheit bei Missverständnissen bekomme ich am ehesten, wenn ich mir bewusst mache, dass Aussprachen möglich sind, dass Gefühle mich nicht beherrschen müssen und dass ich nicht im Fokus der anderen Person stehe. Ihr sind die missverständlichen Worte oder Handlungen wahrscheinlich lange nicht so wichtig, wie mir, wenn ich darüber nachgrüble. Und aus manchen Mücken wird auch schnell ein Elefant, wenn sie sich in Gedanken zu sehr aufblähen und dann herausplatzen.

Deshalb wäge ich inzwischen bei Missverständnissen oder Enttäuschungen zwischenmenschlicher Art gern ab, ob es etwas ist, das ich mit mir selbst ausmachen muss, ob ich es klären kann, ohne daraus mehr zu machen als nötig oder ob die Sache, wenn sie unausgesprochen bleibt, unter der Oberfläche schwelt und der Beziehung auf Dauer schaden wird. Ich wünschte, ich wüsste in jeder Situation, in welche Kategorie sie gehört – aber auch hier gilt es, Gelassenheit zu lernen.


 

Einsamkeit und Gelassenheit

5. EINSAMKEIT

Einsamkeit ist so eine Sache, die Gelassenheit in unterschiedlichen Lebenssituationen erschweren kann. Vielleicht bist du in deinem Leben schon allein in eine neue Stadt gezogen, hattest Schwierigkeiten, dich in eine andere Mentalität einzuleben und Anschluss zu finden. Oder vielleicht fehlen dir die Anschlussgruppen, weil du deine Hobbys nicht genau definieren kannst oder weil deine Freunde in Scharen wegziehen. Auch mit dem Singledasein oder der abgeschotteten Rolle als Mutter oder Eltern kommt nicht jeder so gelassen zurecht.

Gibt’s darauf eine einfache Antwort? Einfach vielleicht nicht, aber pragmatisch und zuerst einmal geistlich gesehen. Einsamkeit ist eine Bedürftigkeit, die tief im Menschen steckt, der sich so fühlt. (Nicht jeder Mensch, der allein ist, ist auch einsam.) Diese Tiefe kann meiner Erfahrung nach kein Mensch erreichen, sie weist auf die Ewigkeit und die Sehnsucht nach Gott hin, meiner Meinung nach.

Mit sich selbst allein sein zu können, mit Gott im Gespräch zu leben, das ist eine geistliche Übung, die zum Beispiel Mönche oder Nonnen seit Unmengen von Jahren praktizieren und wertschätzen. Da wir Menschen aber auch als soziale Wesen geschaffen sind, reicht das für viele nicht aus und das ist auch ganz normal.

Besonders im Bereich der Einsamkeit haben wir aber auch im zwischenmenschlichen Bereich mehr Einfluss als wir vielleicht in den dunklen Zeiten zu glauben meinen. Beobachten wir uns selbst mal im Detail, dann bemerken wir unsere Schwachpunkte, die Beziehungen erschweren. Neben dem untergeordneten Verhalten spielt die Kenntnis über eigene Interessen, Gaben und Hobbys eine Rolle, um überhaupt aus dem Kokon herauszukommen und interessant zu werden. In Situationen, in denen die Gelassenheit dahingehend fehlt, kann die Sicht auf die eigene Identität wie vernebelt sein.

Und schließlich: Unser Leben läuft – meistens – in Phasen ab. Alles hat seine Zeit und Zeitabschnitte unterscheiden sich manchmal stark. Besonders in Phasen, in denen bisher wichtige Bestandteile des Lebens wegbrechen, wie zum Beispiel die Schule oder das Studium. Gelassenheit kann hier in der Hoffnung wachsen, dass Gott für jeden Lebensabschnitt auf seine Weise Wege und Menschen geplant hat und führen wird.


 

Fehlende Zukunftsperspektive und Gelassenheit

6. FEHLENDE ZUKUNFTSPERSPEKTIVE

Hier spielen auch die vorherigen Punkte mit hinein. Zukunftsperspektive, das beinhaltet Mitmenschen, Versorgung, Gesundheit und oft auch Sinn. Niemand kann dir sagen, wie das Morgen aussieht. Aber Gelassenheit und Hoffnung sind der Funke, der dein Herz am Leben und Streben erhält.

Zukunft ist heute, die Phrase stimmt schon, nicht wahr? Vor zehn Jahren habe ich von heute als die Zukunft gesprochen. Unglaublich, was sich in der Welt entwickelt hat, seit ich als Kind davon geträumt habe. Heute dankbar zu sein und das Gute zu säen (und zu sehen), sich selbst nicht so ernst zu nehmen und Gott dafür umso ernster, das macht Gelassenheit auf die Zukunft bezogen aus. Wir können die Zukunft weder vorhersagen, noch rosarot anmalen. Aber wir können sie mit Gottes kreativer Schöpferkraft und durch seine Gnade mitgestalten. Ihn durch uns gestalten lassen.


Zum Weiterlesen. (Vers 19 – 22 verstehe ich übrigens als den menschlichen Struggle mit Ungerechtigkeit, der aber nicht Gottes Perspektive – Liebe statt Hass – widerspiegelt.)


Ich bin Lernende unter Lernenden. :) Schreib du mir deshalb gern deine Meinung zum Thema. Wie gehst du mit Gelassenheit um, ist es dein Ziel, gelassen zu werden oder eher nicht?

Klecks Anne

 

5 Comments

  1. Ich kenne dasselbe Gefühl, wenn man als Kind vor dem Ofen sitzt! :) Irgendwie hat diese Mischung aus Wärme, Duft und dieses Brummen eine sehr beruhigende Wirkung. Heutzutage bin ich meist zu hektisch oder habe 1000 andere Dinge vor, um mich gelassen vor den Ofen zu setzen. ;)
    Vielen Dank für deine Gedanken, wie man Gelassenheit zurückgewinnen kann. In Bezug auf die Zukunft brauche ich viel davon, weil mich das immer sehr verunsichert, wenn ein neuer Lebensabschnitt ansteht. Am Montag z.B. fängt mein Praktikum an und die Aufregung steigt von Tag zu Tag. :) Ich glaube, meine Strategie ist, mich da nicht reinzusteigern und mir zu sagen, dass es eh alles kommt wie es kommt.
    Danke für die Erinnerung, gelassen zu sein und die Dinge mit Vertrauen auf Gott anzugehen.

    1. Wie cool =D Ja klar, als Erwachsener hat man andere Sachen zu tun, aber ich mach’s manchmal aus Spaß, um mich an das Gefühl zu erinnern … :)
      Ich wünsch dir ’ne tolle, gelassene Zeit im Praktikum! Genau, es kommt wie es kommt und wir haben selbst einen gewissen Einfluss darauf, aber nicht nur wir.
      Wird bestimmt ’ne voll bereichernde Zeit für dich, ist im Nachhinein meistens so!

  2. Hallo Anne!
    du hast auf meinen Post http://www.madeline-bricht-aus.de/gelassener-werden-freiheit-beginnt-im-kopf-2/ geantwortet was ich total toll fande!
    Deinen Post habe ich auch gelesen, er unterscheidet sich doch schon sehr von meinem.
    Ich finde es total klasse das er so super strukturiert ist! Du hast mit allen Punkten recht, was ich aber schade finde ist das so wenig Persönliches von dir drin steht – das hätte ich mir gewünscht von dir zu lesen…
    Nun schaue ich mich noch weiter hier um!
    Alles Liebe,
    Madeline

    1. Danke Madeline! :) Ja, ich schreibe nicht so persönlich, das stimmt … ich denke, oft ist das für andere nicht so relevant bzw. möchte ich gern, dass sich jeder irgendwie wiederfindet. Und das kann ja nicht jeder in meiner eigenen Geschichte :) Aber wenn du andere Posts liest, ist da auch mal was Persönlicheres drin. Liebe Grüße, Anne

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