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ANNgetippt: Was ich in einem Jahr Ehe gelernt habe!

Ein Jahr Ehe 1

Das erste Jahr meiner Ehe neigt sich dem Ende entgegen und ich möchte ein wenig Revue passieren lassen, was ich lernen durfte und welche Ratschläge ich frischen Ehepaaren mitgeben kann. Aus der Kalten gesprochen, ist das gar nicht so einfach. Oft lebe ich nach dem Schema, das ich gewöhnt bin und hinterfrage nicht alles so genau. Wenn ich jetzt ein paar Punkte aufzähle, die sich in unserem ersten Ehejahr entwickelt haben, dann muss ich mir darüber auch erst einmal bewusster Gedanken machen.

6 Punkte sind mir dabei eingefallen, die ich mit euch teilen möchte:

1. Eine Freundschaft entwickelt sich

Wir waren schon vorher Freunde, aber mit zunehmender Zeit in der Ehe, besonders wenn man (noch) zu zweit ist, entwickelt sich bestenfalls eine Freundschaft, die die Basis für alle Aspekte der Ehe ist. Unter die Freundschaft zählt zum Beispiel die Gelassenheit, auch mal zusammen still zu sein, zusammen zu beten oder sich von alltäglichen Dingen zu erzählen, während man mit einem Bierchen spazieren geht.

Ich spüre unsere Freundschaft auch in den Momenten, in denen wir mit- oder gegeneinander spielen (Monopoly, Age of Empires, …) – da ist dann nicht immer „Oh, ich hab dich so lieb, du darfst gern gewinnen!“ angesagt, sondern schon ein bisschen Frust. Aber der ist nicht mehr so verbissen, wie er für uns ehemalige Alleinkämpfer mal war.

2. Sei bitte einfach du selbst

Ich war während des ersten Ehejahres manchmal nicht in meiner besten Verfassung und so waren mein Mann und ich zwangsläufig in der Klischeesituation von „Haare aus dem Gesicht halten, während der andere …“, ihr wisst schon. Mir war das echt unangenehm und ich hab mich entschuldigt, weil er mich so erleben musste. Aber er meinte einfach nur: „Halt die Klappe! Entschuldige dich nicht dafür!“ (Ja genau so, hihi.)

Am Anfang unserer Ehe oder davor hätte er vielleicht nicht so reagiert und ich hätte es gar nicht erst zugelassen, dass er meinen kranken Zustand so sehr miterlebt. Und was für das Kranksein gilt, gilt auch für Bereiche, wo der Partner mehr in dem anderen sieht, als der sich eingestehen möchte. Die gegenseitige Ermutigung dazu, sein Potential zu entfalten, ist der Beginn von einer selbstlos(er)en Liebe.

3. Respekt muss man sich (nicht immer) verdienen

Was sind Charaktereigenschaften oder Verhaltensweisen, die du für respektabel halten würdest? Ich hatte zu Beginn unserer Ehe einen ziemlichen eng abgesteckten Rahmen, in dem ich mir meinen idealen Ehemann vorgestellt habe. Dem mein Mann natürlich nicht (immer) entsprach.

In diesem Jahr habe ich besonders stark gelernt, dass ich Respekt ihm gegenüber mit überlegten Worten ausdrücken kann (statt einer unüberlegten Schimpftirade), mit Zeit, die ich ihm allein oder mit Freunden überlasse (statt über seine gesamte Zeit bestimmen zu wollen), mit Anerkennung für die Kleinigkeiten, die mir positiv auffallen (auch wenn ich danach suchen muss) und indem ich meine Launen und Monologe nicht überfallartig an ihm auslasse, sondern vorher feststelle, ob mein Mann und seine Situation gerade genug Kapazitäten dafür frei haben.

Und Respekt – gerade am Anfang einer Ehe, wenn die Partner noch jung sind – ist meistens auch etwas, das im Voraus gezahlt wird, um sich irgendwann auszuzahlen. Das Gute im anderen zu sehen und es zu „begießen“, lässt es wachsen. Ich beobachte das bei anderen und langsam auch bei uns. Bisher war das nicht meine Stärke. Aber ich möchte gern mit dem Mythos brechen, dass Anerkennung für das Zwischenstadium eines Menschen immer bedeutet, dass er sich darauf ausruhen und stagnieren wird!

Ein Jahr Ehe 2

4. Aufgaben dürfen aufgeteilt werden

Gleichberechtigung, schön und gut. In der Ehe ist es echt hilfreich, die anfallenden Aufgaben (fair) zu verteilen. Und wenn die Frau kocht und sich um die Wäsche kümmert, was bei vielen wahrscheinlich die Realität ist, dann ist das nun einmal so und kein verstaubtes Patriarchat. Ich möchte die Aufgaben, und seien sie noch so winzig, die Gott mir anvertraut, als Privileg sehen. Ich möchte die Verantwortung, die ich bekommen habe, nicht in den Wind schlagen, indem ich mich total missmutig um den Haushalt kümmere.

Das ist ein Punkt, an dem wir im kommenden Jahr noch einiges lernen können. Wenn Rollen oder Aufgaben nicht klar verteilt sind, bleibt auch gern mal was liegen, weil es einfach zu viel wird. Ich bin deshalb echt froh, dass mein Mann zum Beispiel von sich aus und gerne abwäscht oder den Müll rausbringt – die typischen Kleinigkeiten, um die sich die wenigsten streiten. Aber er macht es tatsächlich gern. Dafür hatte er wahrscheinlich noch nie ein Bügeleisen in der Hand … ;)

5. Interessiert mich mehr – oder weniger

Am Anfang einer Beziehung kann es sein, dass man noch vieles spannend findet, was den anderen interessiert, was er als Hobby macht oder regelmäßig ansieht. Aber da wir Menschen in den meisten Fällen unsere Interessen in Beziehungen anbringen wollen, kann eine Beziehung auch zu einem „Jetzt bin ich dran!“ – „Jetzt bin aber ich dran!“ – Tauziehen mutieren, weil die Interessen auseinandergehen und man erwartet, dass der andere irgendwann Interesse am Züchten von Kristallen oder dem Eiskunstlauf entwickelt. Äh, ist aber nicht immer so, nicht wahr?

Ich finde es deshalb schön, nach einigen Jahren Beziehung und einem Jahr Ehe die Interessen identifiziert zu haben, die mein Mann und ich teilen. Die sind überschaubar, aber definitiv vorhanden. Sie gehören nicht immer zu unserem unmittelbaren Alltag, aber weil ich sie inzwischen kenne, möchte ich hinterher sein, sie zu integrieren.

Mit der Entwicklung der Persönlichkeiten und der Lebensumstände ergeben sich mit der Zeit auch Interessen, auf die beide neu stoßen oder durch die (räumliche oder emotionale) Nähe öffnet sich ein Partner nun doch für ein Hobby oder Interesse des anderen. Aus diesen Elementen kann die eigene Familienkultur entstehen.

6. Die Familie, die du geheiratet hast

Ein sensibles Thema für viele junge Ehepaare, die sich erst einmal freischwimmen und selbstbestimmt eine neue Familie aufbauen wollen, ist der Einfluss und die Bindung – der und an – die (Schwieger-)Familie.

Der neue Status der „Kinder“ muss von Seiten der Eltern erst einmal akzeptiert werden – es fällt Mitspracherecht weg, das vorher wie selbstverständlich war. Das frische Ehepaar hat nicht selten das Bedürfnis, eigene Traditionen oder Werte zu entwickeln, sich nicht zu stark von einer der beiden Herkunftsfamilien prägen zu lassen und vielleicht auch einfach bezüglich Entscheidungen, Wohnort und Finanzen unabhängig zu werden.

Zwischen all dem emotionalen und praktischen Hin, Her und Ablösen sollte der Wert von gesunden Familien aber nicht unterschätzt werden. Der Rückhalt, der Austausch von Erfahrungen und auch die gegenseitige (!) praktische Hilfe von den (neuen und alten) Eltern und (neuen und alten) Geschwistern, Großeltern etc. ist einzigartig. Das lässt sich natürlich nicht verallgemeinern – mein Rat wäre nur, durch schwierigere Zeiten durchzugehen und optimistisch und offen zu bleiben.


Das war’s zu meinen Erfahrungen.

Wie sieht’s bei dir aus? Welche Lektionen hast du während deiner Zeit als Ehepartner schon gelernt? Wenn das Thema noch neu für dich ist, kannst du hier meinen Artikel von vor einem Jahr über den Ehestart lesen und hier einen über unsere Hochzeit. :)

Klecks Anne

6 Comments

  1. Hallo Anne,
    ich lese seit Jahren Blogs von nordamerikanischen Frauen, die über ähnliche Themen schreiben wie du. Über deinen Artikel in der letzten dranNEXT hab ich deinen Blog gefunden und mich ziemlich gefreut, dass es doch auch Frauen gibt, die in meiner Muttersprache bloggen :-) Bisher hab ich mich nie getraut, selber sowas zu starten, aber immerhin weiß ich jetzt, dass ich nicht alleine wäre *g*
    Ich bin übrigens auch seit fast einem Jahr verheiratet und hab mich in vielem wiedergefunden. Danke, dass du das geteilt hast.
    Mach weiter so! Und habt einen schönen Hochzeitstag :-)
    Liebe Grüße, Krissy

    1. Hallo Krissy,
      freut mich total, dass du auf meinen Blog gefunden hast! :) Ja, ich find’s auch voll schön, wenn ich neue deutsche Bloggerinnen finde, bei denen es nicht nur um Produkte und so geht – wenn du da noch mehr entdecken willst, kannste gern mal in meine Empfehlungen an der linken Seite schauen. Wenn du gern schreibst, kannst du’s ja auch mal ganz unkompliziert versuchen :)
      Cool! :) Ich find’s auch interessant zu sehen, ob mein Mann und ich da Ausnahmen sind, aber wenn du sagst, du erkennst euch da ein Stück weit wieder, beruhigt mich das ein bisschen :D
      Euch auch alles Gute & liebe Grüße, Anne

    1. Hallo Sandra,
      vielen Dank :)
      Ich habe ja dieses Jahr schonmal beim Liebster-Award mitgemacht und habe schon einige deiner Fragen beantwortet. Ich schau mal, ob ich’s mach und ob ich genug neue Nominierungen finde ;) Liebe Grüße!

  2. Liebe Anne,
    ich habe heute das erste Mal in deinem Blog gelesen (habe ihn in der „dran“ gesehen) und mich gefreut, dass du über frische Ehepaare geredet hast,weil ich auch erst seit ein paar Monaten verheiratet bin. Ein paar Punkte (zB Familie) haben mich sehr angesprochen, aber ein paar habe ich auch vermisst, die ich kurz ergänzen will.
    Zum einen finde ich den Punkt Nähe/Intimität sehr wichtig. Wir lesen dazu gerade ein christliches Buch („Sheet music“), das die Bedeutung von körperlicher Nähe und Sex als „Gottes Geheimzutat“ für eine gesunde Ehe in den Mittelpunkt stellt. Zum anderen finde ich den Bereich Kommunikation sehr wichtig. Dass ich meine Bedürfnisse ständig artikuliere (und nicht erwarte, dass mein Mann alles zwischen den Zeilen liest),finde ich schwierig und zugleich wichtig. Auch spielt der Punkt „Vergangenheit“ immer wieder eine Rolle. Wie haben mich Ex-Freundinnen/Freunde geprägt oder was hat das Single-Sein/“Körbe kriegen“ mit mir gemacht und was ist mir deshalb in unserer Beziehung wichtig? Zuletzt finde ich es herausfordernd,als Paar eine gemeinsame Spiritualität zu entwickeln. Mein Mann findet durch die Musik eher zu Gott, ich mehr durch Gebet und Gespräche. Jeder will seine eigene Gottesbeziehung leben und daneben möchte man auch noch als Paar gemeinsam „geistlich wachsen“ – gar nicht so einfach…
    Vielleicht können das ein paar Schreibanregungen für dich sein ;-)
    Viele liebe Grüße
    Sarah

    1. Hallo Sarah :)
      willkommen auf meinem Blog & in den Kommentaren – find ich super, dass du deine Erfahrungen ergänzt hast!
      Das Buch heißt „Licht an, Socken aus!“ auf deutsch, oder? Das haben wir beim Ehevorbereitungskurs auch empfohlen bekommen und gekauft :) Hab auch ein anderes sehr gutes, das beschäftigt sich u.a. mit der geistlichen Tiefe der Ehe: „Der heilige Hafen“.
      Der Punkt mit den Bedürfnissen und der Kommunikation ist für uns auch herausfordernd. Das war er aber auch schon in der Beziehungszeit. Ich finde es echt nicht einfach, einen Wunsch zu formulieren, dass der andere sich nicht unter Druck gesetzt fühlt oder das Gefühl hat, ich würde an ihm rumnörgeln …
      Und ja, den geistlichen Aspekt als Paar gemeinsam kann man schnell mal unter den Tisch fallen lassen, ne? Wir versuchen zusammen die Losung zu lesen oder ein Andachtsbuch für Paare und wir beten zusammen. Ich find es auch immer toll, wenn wir mal so Momente haben, in denen wir uns unsere Glaubenseindrücke erzählen können – und beide was dazu sagen. Frustrierend ist es, wenn nur einer was sagt und der andere kann damit nichts anfangen. Aber das muss sich halt entwickeln :) Gemeinsam zu dienen finde ich auch eine tolle Sache – ein gemeinsames Ziel zu haben und Menschen zu helfen o.ä., das verbindet auch im Glauben.
      Liebe Grüße, Anne

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