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Interview #2: Großfamilie, Tod & Trauer und neue Hoffnung!

Ich bin der Meinung, dass wir von Menschen, die wir gut kennen und deren Leben wir schon lang beobachtet haben, vieles abschauen und lernen können – Gutes, das wir manchmal als selbstverständlich ansehen oder das wir übersehen. Ein Mensch, der eine ganz besondere Mischung aus Charakter, Schönheit und interessanten Entscheidungen ist, ist meine beste Freundin (Anfang 20). Mit ihr möchte ich heute ein paar Fragen und Antworten teilen.


Magst du dich kurz vorstellen? Du musst gar nicht unbedingt auf das Drumherum eingehen, vielmehr: Als was oder wen siehst du dich gerade und warum?

Gerne. Das fällt mir gerade nur gar nicht so leicht. Ich halte mich momentan für eine Person, die ich erst neu kennenlernen muss. Warum, das werdet ihr im Verlauf des Interviews wahrscheinlich besser verstehen können. Ansonsten studiere ich in einer deutschen Kleinstadt und vermisse den Trubel der Großstadt überhaupt nicht. Ich liebe es Musik zu machen, kreativ zu sein, Filme zu schauen und hin und wieder mal verrückte Dinge zu tun. Mein Charakter ist ziemlich ambivalent und vielseitig – mal bin ich gern unter Menschen, mal lieber allein. Das ist sicher Teil meines aktuellen Lernprozesses.

Ich suche wohl nach Stabilität, auch emotional, weil das Leben um mich herum so viel mit sich bringt.

Ich kenne dich ja schon recht gut und würde gern auf ein paar Punkte in deinem Leben eingehen, die ich von außen betrachtet faszinierend, herausfordernd oder bewundernswert finde. Viele Fragen, die du dir in den letzten Jahren gestellt hast, stellen sich die meisten von uns in ihren Zwanzigern. Zuerst einmal: Du bist in einer Großfamilie aufgewachsen, die inzwischen ziemlich verstreut – sogar über die Welt – wohnt. Was bedeutet für dich Familie und kannst du mir sagen, was euren Zusammenhalt ausmacht?

Ich habe sechs Geschwister und bin die Jüngste in unserer Familie, mit einigen Jahren Abstand zu den anderen. Diese Konstellation ist schon etwas Besonderes und Familie für mich persönlich mit das Wichtigste im Leben.

Ich verbringe total gern Zeit mit meinen Geschwistern und mit meiner Mama und getrennt von ihnen zu sein ist manchmal gar nicht so einfach. Wir verstehen uns als Familie alle sehr gut und es gibt selten Streit – diese Harmonie zu haben ist toll. Und gleichzeitig kann ich Wichtiges bei meinen Geschwistern loswerden. Je älter ich werde, desto mehr entstehen auch Gespräche mit meinen älteren Geschwistern.

Familie ist einfach ein Ort, an dem man sich gegenseitig schon so lang kennt, dass man die Macken der anderen akzeptiert und so sein kann, wie man ist. Andere Menschen sehen nicht, wie es mir wirklich geht, die müssen mich erst besser kennenlernen.

In einer großen Familie gibt es immer jemanden, mit dem man seine Zeit verbringen kann. Allerdings war es in meinem Fall so, dass alle meine Geschwister schon aus dem Haus waren, als ich so richtig in die spätere Kindheit und Jugend gestartet bin. D.h. meine Familie war zwar groß, aber ich irgendwie trotzdem wie ein Einzelkind. Wenn alle Geschwister weit weg wohnen (u.a. in Australien), dann muss man sich erst mal freischwimmen. Als Nesthäkchen wurde mir von ihnen viel beigebracht, wir haben viel Cooles unternommen und dann allein zu sein, war nicht so einfach. Du bist dann erst mal auf dich gestellt! Freunde zu finden, wenn man dazu noch schüchtern ist, ist dann weniger leicht. Eine eigene Meinung zu vertreten, ohne nur auf die älteren Geschwister zu hören, ist auch ein Prozess.

Klar ist ein Rat von den Großen hilfreich, aber ich musste auf etwas harte Weise lernen, dass ich auch selbst Entscheidungen treffen muss. Und das dauert hin und wieder etwas länger …

So ein Familientreffen, das wir regelmäßig veranstaltet haben, war immer etwas ganz Besonderes. Als meine Geschwister noch verstreuter gewohnt haben, habe ich mich total auf ihren Besuch gefreut.

Meine Familie hat sicher auch stark geprägt, dass meine Eltern Christen sind. Mein Papa war Pastor und hat uns auch dementsprechend erzogen. Das aber nicht so, wie sich das manche Menschen vorstellen. Meine Eltern haben uns die freie Wahl gelassen, zu glauben oder eben nicht. Aber trotz oder gerade wegen dieser Freiheit haben wir uns alle dafür entschieden. Wir wollten diese lebendige Beziehung zu Jesus, die unsere Eltern uns vorgelebt haben, nicht nur den Glauben als Religion oder Kulturbestandteil.

Der Glaube hat uns so viele Werte vermittelt, und auch eine tiefe innere Stärke und das Vertrauen geschenkt, dass Gott uns versorgt, dass er da ist und dass wir keine Angst haben müssen, im Leben weitere Schritte zu gehen. Für mich war das ein Faktor, der mich relativ entspannt bleiben ließ, nachdem ich die Schule beendet hatte.

Das Familienleben hat mir mit dem Glauben viel über Liebe und gegenseitiges Verständnis beigebracht. Auf der anderen Seite kann der Wunsch nach Harmonie auch leicht so groß werden, dass man unangenehme Themen, Dinge, die einem am anderen nicht passen, nicht anspricht. Ich denke aber, dass das ganz wichtig ist!

Wir dürfen offen miteinander sein und diese Dinge miteinander teilen.

Es ist gar nicht lang her, da hast du mir erzählen müssen, dass dein Vati gestorben ist. Zu dem Zeitpunkt warst du, wie heute, noch sehr jung und dein Vati sicher eine feste Säule in deiner Familie. Es ist für mich dabei keine Frage, dass das eine Erfahrung ist, die traurig ist und das eigene Leben ein wenig aus den Fugen hebt. Darüber hinaus wüsste ich gern von dir, welche Fragen der Tod in dir aufgeworfen hat und ob du schon Antworten gefunden hast. Hat es etwas Gutes gehabt, so wie man manchmal etwas lapidar sagt, dass alles seinen Sinn hat?

Ich vermisse meinen Papa gerade sehr … Nachdem ich gerade erzählt habe, wie wichtig Familie für mich ist, hat uns der Tod natürlich ein bisschen aus der Bahn geworfen. Gleichzeitig bin ich jetzt sehr dankbar, dass ich die Familie habe, die noch da ist und mit der man den Tod gemeinsam verarbeiten kann.

Bevor es passierte, habe ich mich mit dem Thema schon befasst. Ich glaube, dass Gott mich irgendwie schon darauf vorbereitet hat. Denn ich habe mich davor schon gefragt, wie schlimm es eigentlich wirklich ist, wenn jemand stirbt. Irgendwann habe ich festgestellt, dass es eigentlich unausweichlich ist. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch in einer gewissen Traumwelt gelebt, weil noch niemand mir Nahestehendes gestorben war. Dass man sich schon darauf vorbereiten kann, wurde mir aber klar. Zu der Zeit habe ich viel in der Bibel, im Buch Prediger gelesen. Dort schreibt der Autor viel über Vergänglichkeit.

Alles ist vergänglich – wir und die Dinge, die man besitzt und haben möchte, sind irgendwann weg. Und es macht uns nichts so wirklich glücklich! Ich habe gemerkt, dass es einen viel tieferen Sinn im Leben gibt.

Der Prediger schreibt, dass man sich im Endeffekt einfach an den Früchten seiner Arbeit erfreuen und das genießen soll, was man hat. Dass man sein Leben zur Ehre Gottes leben soll. Und ja, ich weiß, das klingt etwas hart, aber es stimmt doch letztendlich, oder?

Ich bin mir für mich sicher, dass mein Papa im Himmel ist. Und dass auch ich einmal dort sein werde. An manchen Tagen freue ich mich darauf und da es ist es leicht mit dem Thema umzugehen. Da ist mir dann bewusst, dass die Zeit, die wir noch miteinander verbringen werden, viel länger ist als die vergangene. Wie auch immer sie sein wird, sie wird glücklich sein!

An anderen Tagen freue ich mich weniger darauf, möchte mein Leben genießen und etwas daraus machen. Die Sicherheit, dass mein Papa das alles nicht mehr miterleben wird, ist ein furchtbarer Gedanke und nimmt den Spaß aus vielem. Ich bin dann wütend auf Gott und es kommen Fragen in mir auf: Warum musste das passieren? Mein Papa hatte in meinen Augen den stärksten Glauben überhaupt. Mit dem Krebs, den er zuvor hatte, hatten wir schon einiges durchgemacht.

Aber er selbst hatte immer so viel Hoffnung und die übertrug sich auch auf uns als Familie.

Als die Krankheit wiederkam, ging alles so schnell und natürlich stellt man Gott dann Fragen.

Wie kann man weiter glauben, wenn man so viel Vertrauen in Gott hatte? Die Zweifel können einem da ganz schön die Lebensfreude rauben. Ich glaube aber, dass es nach einer gewissen Zeit soweit ist, dass man wieder aufsteht und sein Leben weiterlebt.

Vielleicht ist gerade das Glaube, dass man in solchen Zeiten wieder aufsteht und weitermacht. Sich Gott wieder annähert.

Für mich ist das ein Prozess, in dem ich viel Zeit brauche, um mit Gott zu reden und ihm mein Herz auszuschütten. Wichtig ist auch, dass ich mich anderen Menschen öffne. Es schien mir gar nicht so notwendig, anderen davon zu erzählen, aber doch, es ist wichtig.

Auf der anderen Seite merke ich auch, dass wir eben nicht nur für Familie und Menschen leben, sondern dass Gott an erster Stelle steht. Er ist die einzige Stabilität im Leben, die nicht verloren geht. Sonst hat doch nichts wirklich Bestand! So kann sich wirklich Vertrauen aufbauen.

Man kann lernen, dass man sich von den Schwierigkeiten im Leben nicht unterkriegen lassen muss, man wird stärker.

Die Empathie, das Verständnis für andere Menschen, die Ähnliches erleben, steigt natürlich! Die Sensibilität, die entsteht, ist gut. Die Trauer darf sich ausdrücken und sie darf Zeit in Anspruch nehmen. Diese Erlaubnis darf man sich geben: Ich darf mir Zeit nehmen, an meinen Papa zu denken.

Von diesem schweren Thema würde ich gern zu einem übergehen, das deinen Alltag wahrscheinlich positiver prägt. Ich beobachte bei Paaren und Ehepaaren immer wieder, dass sie ihre Spontanität verlieren, manchmal durch den Charakter der beiden, manchmal aber auch einfach, weil man sich selbst genug ist. Kreativ das Leben zu gestalten und ja, auch die Zeit des Jungseins zu nutzen, motiviert mich besonders im Frühling und Sommer zu neuen Ideen. Wie ist das bei dir? Wie gestaltest du deine Freizeit – gibt es da viel Spontanität? Feierst du das Leben, obwohl es seine Schattenseiten hat?

Momentan genieße ich das Singleleben. Aber das ist doch abhängig von unterschiedlichen Phasen. Es gibt zur Zeit Tage, da habe ich keine Lust neue Ideen anzugehen, etwas umzusetzen, da will ich am liebsten zur Familie fahren oder Filme schauen. Oft lenke ich mich dann von Problemen und Trauer durch Filme ab oder indem ich etwas anhöre, durch Essen. Dadurch dass es jetzt sommerlicher wird, steigt aber auch wieder die Abenteuerlust!

Manchmal ist es schön, unabhängig zu sein und selbst entscheiden zu können. Aber neben meinem aktuellen Praxissemester habe ich nicht ganz so viel Zeit. Mit der neuen Zeitstruktur muss ich erst mal umgehen. Das hat aber auch sein Gutes, weil eben alles so strukturiert ist und ich die Abende motivierter für Freizeit nutzen möchte. Ich treffe mich dann viel mit Freunden, leite die Studentengemeinde mit, mache Musik, besuche meine Familie oder bekomme Besuch, gehe manchmal gern feiern. So spontan bin ich dabei gar nicht, weil doch viele Abende von vornherein schon verplant sind.

Alleinsein ist schwieriger geworden. Wenn ich allein bin, muss ich mich mit mir beschäftigen, mit meinen Gedanken. Im Vergleich zu früher nehme ich mir heute weniger Zeit für mich. Auch für die Stille Zeit, Lobpreis und Bibel habe ich gerade wenig Motivation. Letztes Jahr war ich dadurch so ausgeglichen und jetzt etwas für mich zu tun – Zeit mit Gott, basteln u.ä. – fällt mir irgendwie schwer. Da verbringe ich eher mal Zeit mit Freunden und wir haben Spaß, aber das ist gar nicht immer das Richtige.

Wenn man viel unternimmt und ständig auf Achse ist, dann kann das auch eine Form der Ablenkung sein, nicht wahr? Dann will man wahrscheinlich gar nicht allein sein.

Mir hilft es da auch schon, Mitbewohner zu haben. Das ist irgendwie ein ambivalentes Thema. Mal brauche ich das eine, dann das andere.

Das kann ich gut verstehen. Es kann auch eine Folge der anonymen Gesellschaft sein, dass man sich Gemeinschaft wünscht. Aber das Bedürfnis nach Rückzug – durch die vielen Reize, die auf einen einströmen, existiert parallel dazu.

Zur Spontaneität zählt für viele junge Erwachsene auch das Reisen. Du bist definitiv schon mehr rumgekommen als ich und warst kürzlich sogar auf einem spontanen Trip ganz allein nach Australien! Total klasse. Magst du von deinen Gefühlen erzählen, die dich zu der Reise bewogen haben, aber auch von denen, die du währenddessen hattest? Hast du etwas für dich lernen können, während du dich einfach für diesen Schritt entschieden hast?

Diese Reise nach Australien war eigentlich recht untypisch für mich. Vorher bin ich in Europa gereist – mit meiner Schwester – aber ansonsten nicht allzu viel. Das Reisen macht mir aber sehr viel Spaß. Nur mangelt es manchmal an Spontaneität!

Nach Australien bin ich in den Semesterferien geflogen. Statt die Zeit zu Hause zu verbringen, war ich also im Ausland bei meiner Schwester, die dort wohnt. Ein Praxissemester in Sydney war mein erster Gedanke, aber ein Besuch war für mich dann die bessere Entscheidung. Ich hatte das Gefühl, es wäre gut für mich, aus dem Trott herauszukommen. Nachdem ich ziemlich mit mir gerungen habe, entschied ich mich dafür, war aber lange unsicher, ob es das Richtige ist. Das ist so ein Punkt – ich wäge unglaublich viel gedanklich ab, wenn ich etwas entscheiden muss. Die Freude war deshalb wohl auch etwas getrübt.

Ich hatte mich wahrscheinlich nicht richtig dazu entschieden, es zu genießen, deshalb war die Zeit manchmal auch anstrengend.

Es war aber alles in allem total wertvoll, alles zu erkunden und zu sehen, wo meine Schwester inzwischen schon seit acht Jahren lebt. Für uns beide war das etwas ganz Besonderes. Da meine Schwester und ich aber sehr unterschiedlich sind, weiß ich auch, dass ich zum Beispiel nicht dort hingehöre und das ist auch gut so. Mein Herz schlägt für Ostdeutschland, warum auch immer. ;) Die Leute dort vor Ort fanden das klasse und ich habe mich bestätigt gefühlt darin, dass es gut ist, in Deutschland zu bleiben.

Man muss nicht reisen, um die Welt zu sehen! Man muss nicht alles erleben. Man DARF es.

Es ist ein tolles Geschenk, wenn man es kann – und wenn man es auch genießen kann. Aber mir ist es wichtig, auch mal an einem Ort zu bleiben, dort Veränderung zu beobachten und in eine Sache zu investieren, beizutragen. Für die Zukunft ist wahrscheinlich beides wünschenswert. :)

Zum Schluss möchte ich gern noch auf deine Suche nach dem passenden Beruf eingehen, denn während ich schon lang relativ klare Berufswünsche hatte (zumindest in welchem Bereich ich mal arbeiten wollen würde), warst du lange unsicher. Dann hast du dich für 1,5 freiwillige Jahre entschieden, aus denen du dir sicher etwas mitnehmen konntest, was? Was empfandest du denn als die größten Vorteile solch einer Wartezeit, die man nicht mit gefalteten Händen im Schoß verbringt, sondern mit praktischer Arbeit und Ausprobieren? Hast du inzwischen so etwas wie eine Vision für dein Leben bekommen und bist du der Meinung, dass man die braucht oder dass sich alles Stück für Stück zeigen wird?

Inzwischen beantworte ich diese Frage echt gern, obwohl ich das tatsächliche Ziel immer noch nicht kenne. Aber wer weiß das schon von sich?

Nach der Schule wusste ich wirklich nicht, was ich machen möchte. In den sozialen Sektor wollte ich schon gern, auf der anderen Seite gefällt mir auch praktische, kreative und musikalische Arbeit. Meine Persönlichkeit hat von allem so ein bisschen was mitbekommen, aber nichts ist dabei so richtig ausgeprägt. Sicher geht es vielen so. Dann die Entscheidung zu treffen, wovon ich mehr lernen möchte, ist nicht so einfach.

Also entschied ich mich für ein FSJ. Dort wurde ich ins kalte Wasser geschmissen und konnte lernen, auf die Jugendlichen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, zuzugehen, ins Gespräch zu kommen, sie und ihre Fähigkeiten kennenzulernen und Dinge hervorzulocken. Es war gut zu lernen, wie man sich mit Kindern und Jugendlichen beschäftigen kann.

Man lernt dabei unglaublich viel über seine Fähigkeiten, Ausdauer und Grenzen.

Über das, was einem liegt, wie man kommuniziert. Wichtig ist, mit welchen Leuten man zusammenarbeitet, aber auch für welche Zielgruppe man die Arbeit tut. Wie kommt man mit denen klar?

Als ich nach dem FSJ noch nicht komplette Klarheit hatte, weil pure Soziale Arbeit rund um die Uhr mir zu anstrengend wäre, habe ich im Bereich Sozialmanagement nach einem passenden Studium gesucht. Nebenbei nahm ich einen Job in einem Callcenter an, was sehr spannend und frustrierend war. Danach wusste ich, was definitiv nicht machen wollte – aber auch, wie man telefoniert!

An einem Sonntag kam mir im Lobpreis eine Stadt in den Sinn. Das war so eindeutig, dass ich anschließend online nach der Hochschule suchte. Denn mir hatte die Stadt vorher so gar nicht viel gesagt. Für mich war das so ein krasser Moment. Allein die Website der Hochschule sprach mich schon total an und dann fand ich sehr schnell genau den passenden Studiengang!

So eine Klarheit von Gottes Seite her hatte ich bisher noch nie.

Deshalb setzte ich auch alles auf diese eine Karte und bewarb mich nur dort. Ich wurde genommen und konnte nach einem weiteren halben FSJ ins Studium starten. Das FSJ kann ich übrigens wirklich jedem empfehlen, egal ob man sich sicher über seinen Berufsweg ist. Man lernt dabei, mit anderen im Team zu kooperieren und kann seine eigenen Stärken und Interessen schon mal austesten. Mir haben die FSJ-Erfahrungen sehr geholfen, in meine Stelle im Praxissemester reinzufinden und meine Schwerpunkte zu setzen.

Im Laufe der Jahre habe ich schon eine gewisse Vision für mich entwickelt, aber nicht allzu konkret. Ich bin der Meinung, dass man schon groß denken darf. Das Denken „Ich brauche einen Job, um mich abzusichern“ ist absolut nichts für mich.

Ich bin der festen Überzeugung, dass mich Gott auf dem Weg leitet und mich versorgt, mir einen Job gibt, der mir Spaß macht und dem ich mich komplett widmen kann.

Mein Traum wäre, mein Berufs- und Privatleben nicht allzu stark zu trennen. Ideen und Wünsche sind vorhanden, mal sehen, was davon wahr wird! Das möchte ich gern offen lassen, auch wenn noch viele Schritte nötig sind.

Ich glaube nicht, dass es nur einen richtigen Weg gibt, sondern dass Gott Entscheidungen, die wir mit gutem Gewissen treffen, auch segnen kann. Daraus können viele Möglichkeiten entstehen.

Eine Vision kann sich wie bei mir Stück für Stück entwickeln. Bei anderen kann das natürlich auch von jetzt auf gleich klar sein. Ich persönlich lasse mich immer Schritt für Schritt leiten. Schrittweise ergibt sich alles und ich plane nicht weit voraus.

Ich glaube nicht, dass man Angst haben braucht, wenn man seine Vision noch nicht genau kennt.

Man darf sich auch Hilfe von Menschen suchen. Und gerade in Deutschland die Möglichkeiten nutzen.

Vielen Dank für die vielen guten Gedanken, deine Ehrlichkeit und Zeit! Ich wünsch dir von Herzen alles Gute für deine Zukunft. *squeeze*

Das Interview habe ich frei transkribiert und gekürzt – sonst hättet ihr noch mehr zu Lesen gehabt. :D

 

 

2 Comments

  1. Das war ein sehr interessantes Interview! Die Gedanken einer Großfamilie kann ich leider nicht nachvollziehen, aber leider die, die einem durch den Kopf gehen, wenn der Vater stirbt. Ich war damals 23 und er fehlt mir heute noch wie damals. Ich leide auch darunter, das er mein weiteres Leben nicht mitbekam. Im Moment weiß ich auch nicht so recht wer ich bin. Neuorientierung nach der statistischen Lebensmitte und das mich chronischen Beschwerden ist nicht so leicht. Eigentlich dachte ich ja ich hätte meinen Weg gefunden, nun suche ich neu. Vielen Dank für diese ehrlichen Worte. Lieben Gruß, Sandra aus dem Sommerzimmer

    1. Danke für die offenen Worte, Sandra! Ich kann mir gut vorstellen, dass du dich da in manchen Punkten wiederfindest – das Leben ist wsl. nie so richtig „fertig“, solange wir auf der Erde sind. Freut mich jedenfalls, dass meine Freundin das mit dir teilen konnte und vielleicht mit dem ein oder anderen Gedanken hilft. Liebe Grüße und Gottes reichen Segen! ♥

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