ANNsichtssache

10 Erkenntnisse aus 25 Jahren

Hallo Juni und hallo an dich!

Ach, ich liebe den Juni. Zum Einen ist er vom Wetter her einer der schönsten und angenehmsten Sommermonate und zum Anderen habe ich im Juni Geburtstag. Damit teilt sich das Jahr so toll in zwei Hälften der großen Feiern – Geburtstag Mitte des Jahres und Weihnachten Ende des Jahres!

Als ich anfing, auf diesem Blog zu schreiben, war ich noch zarte 18 Jahre alt. Nun werde ich 25. Das Gefühl, das ich seit einigen Tagen habe, dieses kribbelige „Oh Mann, ich werde älter – die erste Hälfte der Zwanziger ist vorüber!“ erinnert mich an den Wechsel von der 19 auf die 20. Damals hat mich die Änderung der ersten Ziffer auch ganz nervös gemacht. Aber so ist das nun mal. Wir werden älter, aber auch reifer – hoffentlich – und lernen Dinge besser einzuschätzen und zu schätzen.

Da es auf meinem Blog zur Zeit nur noch wenige Texte von mir allein gab, möchte ich diesen Anlass heute nutzen, um ein paar Gedanken über die letzten 25 Jahre mit dir zu teilen. Was habe ich – vor allem auf die letzten Meter – so gelernt? Die Liste ist unvollständig, aber das, was mich gerade vorwiegend beschäftigt. Viel Spaß!

1. Unentschlossenheit ist ein Freudenkiller. Ich bemerke das bei großen Entscheidungen wie der Berufswahl, aber auch bei alltäglichen Projekten. Oft bin ich in Gedanken noch woanders und nicht ganz angekommen bei dem, wofür ich mich entschieden habe. Ich könnte ja stattdessen xy tun. Ich hätte ja auch den anderen Beruf wählen können. Der andere Partner wäre auch ganz nett gewesen. Bis ich diese Gedanken nicht beruhigt habe, indem ich ihnen einen klaren Riegel vors Schloss schiebe, lenken sie mich ab, verunsichern und machen undankbar. Dann entstehen Dinge nur aus Halbherzigkeit und werden auch nicht ganz so gut. Das ist das, was ich feststelle. Trotzdem bin ich noch nicht bei allem angekommen. Die Zwanziger sind wahrscheinlich auch dafür gemacht, dass wir erst einmal suchen. Aber an manchen Dingen möchte ich bewusst dran bleiben und mich bewusst entscheiden und im Tun und Verlauf dazulernen.


2. Eine wichtige Lektion, in der ich stehe, ist der Kampf gegen Stolz und Minderwertigkeit. Beides sind zwei Seiten einer Medaille, sie machen beide zu viel von der eigenen Person abhängig. Bei all dem, was uns heute gesagt wird von Selbstliebe und „Du packst das“ ist für mich ein Test entscheidend: Wenn sich eine schlechte Situation zum Guten wendet, kann ich Gott aus tiefstem und ehrlichem Herzen Danke sagen und ihn loben oder schiebt sich in dem Moment immer die Stimme ein, die sagt „Naja, eigentlich lag es ja auch an dir, dass du das jetzt gemeistert hast. Hast du da wirklich vollen Grund, Gott zu danken?“ Ich weiß nicht, ob du das kennst. Aber um Gott in Situationen danken zu können, in die man selbst und andere Menschen positiv involviert waren, braucht echt Demut und den Blick dafür, dass Gott einfach über unserem Leben, unserer Gesundheit, Intelligenz etc. wacht. Am Ende steht immer die Frage, ob es sich für uns überhaupt jemals lohnt, stolz zu sein statt Gott zu danken. Das Danken soll ja nicht dazu führen, dass wir völlig passiv werden! Aber der Stolz – und auch die Minderwertigkeit? – führt unweigerlich zu einer Trennung in unserer Gottesbeziehung.


3. Ob (Schwieger-)Familie oder Freunde – es lohnt sich, die awkward-Situationen durchzustehen (wie es die Autorin Lara Casey immer sagt), um zu tieferen Beziehungen zu gelangen. Oft ist die Differenz zwischen zwei Personen nicht so groß, dass sie unüberwindbar ist. Es gibt eine Schwelle, ab der die Chemie stimmen kann! Und wenn die erreicht ist, kann wirkliche Zuneigung und Verständnis entstehen. Deshalb, geh doch erst mal weiter in die neue Gemeinde, drück dich nicht vor Familientreffen, besuche deine Schwiegerfamilie, bewirb dich auf die neue Stelle, geh zu dem Spieleabend mit unbekannten Leuten. Kleines Wachstum über lange Zeit wird großes Wachstum.


4. Im Englischen sagt man „random acts of kindness“ zu dem, was mich zur Zeit sehr begeistert. Kleine Taten aus reiner Freundlichkeit und Nächstenliebe können unser Herz hell und weit machen, andere beschenken und tatsächlich auch noch Außenstehende dazu animieren ebenfalls Gutes zu tun. Es macht wirklich einen Unterschied, ob wir etwas von dem, was wir haben, mit anderen teilen. Ob wir uns Mühe machen, die nicht nötig wäre. Inspiriert wurde ich von einem Jungen am Ostseestrand, der seinem Vater jeden Wunsch von den Lippen ablas. Erst schaufelte er ihm eine Lehne aus Sand, dann stellte er einen Sonnenschirm auf und brachte ihm schließlich einen Kaffee. Ich sah ihn danach nicht nach Geld betteln und ein Eis essen, nein, er spielte danach am Strand. Ganz ohne den Kontext zu kennen, hat mich dieses Erlebnis ziemlich verfolgt. :)


5. Ich komme langsam in ein Alter, in dem Freunde unterschiedliche Lebensabschnitte einschlagen. Die Einen studieren noch, die Anderen heiraten und arbeiten, wieder andere bekommen Nachwuchs oder ziehen weg. Ich habe gemerkt, dass es nicht zielführend ist, sich zu sehr in ihr Leben einzumischen, aber auch nicht sich neidisch abzuwenden. Sind es Dinge, die wir auch möchten und haben könnten, dann sollten wir sie wahrscheinlich angehen. Sind es Dinge, die für uns noch gar keine Rolle spielen, dann sollten wir sie ruhen lassen. Wichtig ist einfach, dass wir uns auf unseren aktuellen Lebensabschnitt konzentrieren und nichts vorwegnehmen und dass wir für unsere Freunde nach wie vor da sind. Helfen, wenn sie Hilfe brauchen, die Punkte finden, die uns noch verbinden – Glaube, Interessen, Sport, Ernährung, Familie, Beziehung, Vergangenheit etc. Wenn sich der Freundeskreis verändert, müssen wir nicht sofort losrennen und neue Menschen suchen. Klar können wir offen sein. Aber wir können auch erst mal ganz genau hinsehen: Wen und was habe ich denn schon? Und dankbar dort hinein investieren.


6. Wenn man mit bestimmten Überzeugungen großgezogen wird, dann kommt man meistens irgendwann an den Punkt, an dem man sie hinterfragt. In der Mitte der Zwanziger kann es dann schon mal zu der Realisation kommen, dass ja jetzt nicht mehr unsere Elterngeneration (allein) zuständig ist, sich für Nachhaltigkeit, Politik und Glaubensfragen einzusetzen. Wir sind jetzt genauso gefragt, freiwillig Entscheidungen zu treffen und mitzudenken. Da kommt wahrscheinlich niemand, der einem mit 30 eine Berechtigung oder Verpflichtung in die Hand drückt: „Herr/Frau xy, Sie sind nun berechtigt und verpflichtet, Entscheidungen zugunsten Ihrer Gesundheit, der Welt und gemäß Ihrer Überzeugungen zu treffen.“ Wenn sich niemand danach erkundigt, ob ich genug Obst und Gemüse esse oder zum Arzt gehe, dann fällt das unter den Tisch oder ich behalte es eben selbst im Auge.


7. Wie ich mich ernähre, wie viel ich mich bewege und schlafe und wie mein Hormonhaushalt als Frau beschaffen ist, beeinflusst meine Stimmung. Während ich mit 16 noch dachte, meine Welt stürzt ein, nur weil ich mal weinerlich auf dem Bett kauerte, weiß ich heute, dass ich manches einfach akzeptieren muss und gegen schlechte Stimmung oft auch etwas in der Hand habe. Gute Gedanken, bewusste Ernährung, Sport und Schlaf. An diesen Rädchen kann ich drehen und dann merke ich, dass manchmal gar nicht alles um mich herum doof ist, sondern in mir vielleicht einfach gerade etwas Chaos herrscht.


8. Initiieren und netzwerken zu können ist eine Eigenschaft, die ich an Menschen sehr mag. Es gibt Leute, die laden regelmäßig zu sich ein, stellen Menschen einander vor, die sich mögen könnten. Damit Platz für so etwas ist, ist es gut, wenn der Terminplaner nicht so voll ist, dass da nichts mehr geht. Wenn du Ideen hast und Menschen verknüpfen möchtest, dann geh Schritte darauf zu! Du möchtest eine Nähgruppe gründen? Dann frag die Mädels, die du kennst und lass sie Freunde mitbringen. Du gehst gern ins Kino, aber nicht allein? Dann hör dich nach anderen Cineasten um etc. Manche Leute warten nur darauf, dass mal jemand etwas initiiert. Sie können es nicht immer selbst tun, weil ihnen der Mut, die Motivation oder die Zeit dafür fehlen und das ist okay. Wir können alle das einsetzen, was wir haben. Und wenn das Ideen, Motivation und Zeit sind, dann versuch es doch mal.


9. Manche Schranken baut sich der Mensch einfach selbst auf. Ob eine Frau denkt, dass sie mit weniger Schminke im Gesicht weniger gemocht würde, ob ihre Freunde sie mit Baby noch treffen wollen würden, ob sie blöd angeschaut werden würde, wenn sie öfter ihre Meinung sagt – sind doch alles Gedanken, die in ihrem eigenen Kopf herumgeistern. Wie es schon Donald Miller schreibt – was in anderen Köpfen vor sich geht, geht uns nichts an. Deshalb einfach mal was anders machen, auch wenn der Kopf sagt: „Das finden die bestimmt nicht so toll.“ Ich habe mich zum Beispiel in letzter Zeit dezenter geschminkt und habe mich damit immer wohler gefühlt. Es macht mir aber zu viel Spaß als dass ich es ganz sein lassen wöllte, deshalb mach ich es weiter. Das Warum hinter solchen Dingen zu klären, hilft.


10. Gebet ist ein wichtiger Bestandteil des Glaubens. Ohne jetzt wieder mal ein Buch über Gebet gelesen zu haben, hat sich in mir ein Gedanke zum Gebet niedergelassen: Es darf im Moment sein. Zwischendurch, roh, echt, ehrlich, fragend. Wie alltägliches Gespräch und Anteilnahme. Das ist nicht seine einzige Ausdrucksform, aber eine lebensnahe.

Oh, wo wir beim Thema Alter sind würde mich brennend interessieren, wie alt meine Leser eigentlich so sind! Schreib‘s doch mal in die Kommentare. :) Gerne auch mit einer Erkenntnis, die du bisher gewonnen hast.

8 Comments

  1. doppelt so alt wie du!
    Meine Erkenntnis: Weisheit ist nicht vom Lebensalter abhängig. Ich lerne z. B. auch viel von meiner Tochter, die ein Jahr jünger ist als du.

  2. Danke für diese Zusammenstellung und dass du uns an deinen Gedanken teilhaben lässt! Ich kann ein paar der Punkte sehr gut nachvollziehen! :) Auch mit dreißig bin ich noch unentschlossen, halte zu viel an meinen Schranken fest und es fällt mir schwer, zu initiieren. Vielleicht kann ich in der nächsten Zeit darauf achten, ein bisschen was davon zu ändern! Danke nochmal! :)
    Liebe Grüße von
    Friede

    1. Danke für dein Feedback :) Es entwickelt sich alles zu seiner Zeit, soll und muss kein Stress werden. Wenn wir nur für Selbstoptimierung leben würden, dann würden wir das Ziel verfehlen. Liebe Grüße!

  3. Danke für deine Gedanken, Anne! Einige Punkte finden sich auch in meiner Lernkurve aus 30 Lebensjahren wieder! Was ich über die Jahre auch gelernt habe: Gnädig und liebevoll auf mich selbst zu blicken, denn Gottes Gnade reicht, so weit der Himmel geht – und seine Liebe umschließt mich mit allen Eigenheiten, Fehlern, verrückten Gedanken und chaotischen Gefühlen!
    Liebe Grüße sendet the

    1. Hi Theresia,
      danke für deinen Kommi – da hast du recht! Wie es meine Lieblingsautorinnen sagen … It’s okay to be a mess – it’s not about to become perfect but better. :)
      Dein Blog sieht btw interessant aus, abonnier ich mal!
      LG, Anne

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