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#bewusstimhierundjetzt: Meine Gedanken zum zweckfreien Malen

Ich weiß schon, bevor ich anfange zu schreiben, dass das Schreiben selbst wohl eines der Dinge ist, die mich am meisten in einen Flow versetzen. Und wahrscheinlich geht es vielen der Bloggerkolleginnen ähnlich, die an der #bewusstimhierundjetzt-Challenge teilnehmen. Ich vermute, das liegt daran, dass man die Worte entweder einfach aus dem Kopf und Herz auf die Tastatur fließen lässt oder die geplanten Stichworte und den Umriss des zukünftigen Textes mit Leben füllt.

Wenn ich schreibe, kann ich nicht mal Musik hören, mal ganz abgesehen von Podcasts oder Fernsehen, was auch gut neben dem Malen laufen kann. Ich halte für mich persönlich fest: So schwierig für mich diese Mal-Woche war, so sicher weiß ich doch, dass (bis zur nächsten Schreibblockade) die Tastatur noch mein großer Hier und jetzt-Freund bleibt.


Meine Aufgabe war es, in dieser Woche das zweckfreie Zeichnen und Malen auszuprobieren, um dabei den Gedanken und der Kreativität freien Lauf zu lassen. Mir ist während des Studiums und bis heute aufgefallen, dass zweckfreies Malen mir nur in bestimmten Situationen wirklich Freude macht: Nämlich dann, wenn ich mich in einer Situation befinde, in der ich von der eigentlichen Tätigkeit nicht ganz ausgelastet bin, vor allem beim Zuhören. In den Vorlesungen während meines Studiums habe ich massenhaft Ideen und Skizzen gesammelt, die ich teilweise dann auch für Uni-Projekte oder meinen Spielmännelkalender verwenden konnte. Dort entstanden schnell Weihnachtskartenmotive und Cartoons, auf die ich, hätte ich mich zuhause hingesetzt, gar nicht so einfach gekommen wäre.

Das zeigt mir, dass das Malen irgendwie inspiriert sein muss und aus einem Impuls heraus entstehen kann. In meinem Fall könnte das bedeuten, dass ich es eben nicht völlig abgetrennt von meinem Alltag und in völliger Stille umsetze, sondern dass ich mir einen guten Podcast anmache oder einen Livestream ansehe, wobei natürlich der Fokus dann eher auf dem Hören liegt. Finde ich als Frau aber gar nicht problematisch.


Die völlige Stille, die ich mir zum Teil während meines Experimentes verordnet hatte, hat meine Gedanken, die zu dem Zeitpunkt ziemlich aufgewühlt waren, sehr laut gemacht. Trotzdem hat es beruhigend und erkenntnisstiftend gewirkt, als ich die Acrylfarbe im Kerzenschein dick auf die Leinwand auftrug, ohne mir dabei Gedanken um Verschwendung zu machen. Mangel ist dabei meiner Meinung nach auch keine gute Grundlage. Ich möchte nicht zaghaft mit dem Bleistift die Linien ziehen, weil ich gerade keinen Spitzer parat habe. Nein, es ist schön, wenn ich einfach wild drauflos skizzieren kann und das Material, das ich habe, auch genutzt wird.


Ich habe auch gemerkt, dass ich mir die Situation nicht nur von der Szenerie günstiger herrichten kann, sondern auch, indem ich ausprobiere, mit welchen Materialien ich gerade am besten arbeiten kann. Es gibt Tage, da liebe ich es mit Aquarellfarben zu malen. An anderen ist der Bleistift eher geeignet, um die losen Ideen zu skizzieren. Und dann gibt es kleine, aber feine Unterschiede in der Beschaffenheit des Papieres, die beim Malen entscheiden, ob das Ganze Spaß macht oder nicht. Ich hatte mir beispielsweise relativ dünnes Aquarellpapier in der Drogerie gekauft, in der Hoffnung, dass es die Wasserfarbe gut aufsaugen würde. Aber nach kurzer Zeit wellte es sich und raute sich beim zweiten und dritten Farbkontakt etwas auf. Als ich dann doch wieder zu dem dicken, hochwertigeren Aquarellpapier griff, mit dem ich das aktuelle Kinderbuch illustriere, war es echt eine Freude, wie das Papier zwei bis zehn Schichten problemlos aushielt! Die dünne Farbe ließ sich schichten und war trotzdem leicht transparent, ergab neue Farben und Variationen. Das Bild wirkte lebendiger und nicht stumpf.


Meine Malexperimente sahen praktisch so aus, dass ich mir alles bereit legte, was ich brauchte. Farben, Pinsel, Zeitungsunterlage, Leinwand, Papier, Wasserbehälter, einen Tee … Ich machte keine Skizzen, sondern begann einfach Farben anzuordnen, ließ etwas Leinwand frei – und es entstand am ersten Abend ein Gebirgskamm mit einem Himmel, vor dem ein Adler fliegt. Ist nicht super schön geworden, aber dafür hat Gott mir in der Zeit, denke ich, ein paar Antworten auf meine Fragen gegeben und das Bild hat für mich besonders im Nachhinein eine Symbolbedeutung.


Am zweiten und dritten Abend setzte ich mich in einer schon weniger vorpräparierten Situation an kleine Weihnachtskarten. Hier stand auch eher im Vordergrund, dass ich anderen damit eine Freude machen würde. Ganz zweckfrei war diese Malaufgabe zwar nicht, aber die Karten hat auch niemand von mir erwartet, Perfektion auch nicht. :) Dabei habe ich gemerkt, wie sehr mir auch dem Malen ähnliche Kreativtechniken Spaß machen, z.B. das Handlettering. Schreiben ist für mich auch meistens etwas Malerisches, meine Handschrift ist deshalb auch eher verschnörkelt und nicht so straight und einheitlich, wie ich es gern hätte. Aber auch das kann ich mir ja mal vornehmen zu üben.

Mein Fazit:

  • Die Situation einer Sache bewusst im Hier und Jetzt muss nicht völlig frei von „Störfaktoren“ sein. Multitasking wirkt manchmal auch inspirierend, z.B. während eines Anrufes oder Podcasts.
  • Sei kreativ aus einer Fülle an potentiellen Ideen und Materialien heraus und nicht aus dem Mangeldenken heraus, dass du so wenig Material wie möglich verwenden solltest und dass deine Ideen sehr begrenzt sind.
  • Nutze den kreativen Freiraum, um mit Gott ins Gespräch zu kommen und ihm Fragen zu stellen. Vielleicht fallen dir Bibelverse ein, die dich wiederum zu Bildideen inspirieren. Gott spricht unter anderem durch sein Wort, die Bibel. Nicht immer bekommen wir gleich Antworten, aber es kann ein erster Schritt sein.
  • Nutze die Materialien und Zeitfenster, die du zur Verfügung hast. Aber wenn du merkst, dir macht das Zeichnen mit dem H-Bleistift definitiv keinen Spaß, dann leiste dir mal einen weichen B-Bleistift.
  • Wenn du kreativ sein willst und dir vorher vorschreibst, dass du dein Hobby nur mit den und den Farben und dieser bestimmten Technik umsetzen möchtest, nimmt dir das vielleicht die Freude daran, doch im Verlauf etwas anderes auszuprobieren. Ich bin zwar auch dafür, dass man Projekte abschließt, aber bei diesen Übungen kannst du auch vom Landschaftsmalen in Porträtzeichnen oder Handlettering übergehen.
  • Mein Vorhaben, etwas bewusst und aus Spaß zu machen, hat sich auch auf andere Bereiche übertragen lassen: aufs Plätzchenbacken, den Abwasch, das Schreiben und Lesen. Und allein deshalb lohnt es sich, meiner Meinung nach.

Jetzt frage ich euch: Habt ihr gute Erfahrungen mit zweckfreiem Malen gemacht, was hält euch davon ab und habt ihr schon bei Marthas Beitrag von letzter Woche vorbeigeschaut? Den nächsten Beitrag könnt ihr bei Nathalie (https://erdperle.de/) in der ersten Januarwoche lesen. Dann dreht sich alles ums Lesen und Vorlesen und ihr könnt parallel mitmachen. In meinem Ausgangstext zur Challenge liste ich übrigens alle zukünftigen Texte auf, wenn ihr dort mal nachlesen wollt.


Ich wünsche euch jetzt erstmal gesegnete Weihnachtsfeiertage und einen guten Abschluss dieses Jahres! Wahrscheinlich habt ihr viele Herausforderungen in diesem Jahr super gemeistert und könnt dankbar daran zurückdenken. Und auch wenn einige Dinge noch unaufgeräumt in eurem Hinterkopf liegen sollten, wünsche ich euch, dass ihr das neue Jahr ohne den Ballast beginnen könnt und Gott Vertrauen schenkt, dass er mit euch gemeinsam aufräumt.

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